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von einem Tage, von einer Woche zur andern herumziehen. Jetzt sindsie gar verreiset; kommen aber binnen einigen Wochen zurück, wo cSsich alsdann bald entscheiden wird, ob etwas oder nichts aus dem Ver-kaufe wird. Demungeachtet stand ick zcither immer auf dem Sprung,die Reise nach Hamburg anzutreten. Hätte mich mein alter recht-schaffener de Haen, der mein Doktor ist/ nicht so ernstlich davon ab-gehalten, so hätte ich sicher alles liegen und stehen lassen, und wäredavon gerciß. Und das darum, weil ich mir fest vorstellte, ich hättedie Auszehrung. Ich wollte mir also durch die Reise meine Genesung,oder wenigstens einen ruhigen Abschied verschaffen. Nun ist es mirlieb, daß ich es nicht gethan, weil eS scheinet, daß ich mich ohne dießwieder erholen soll. Sehen Sie nun die Ursache, warum ich Ihnennicht geschrieben» und warum ich Ihnen unmöglich schreiben konnte.Seitdem ich Ihnen das letztem«! geschrieben, habe ich an keinen Men-schen, außer an Sch. geschrieben, und hierzu trieb mich die allergrößteNothwendigkeit. Der redliche Freund ist noch nicht mit meiner Sachezu Stande; ich denke aber, daß er es bald seyn wird. Die bestenFreunde machen die größten Schwierigkeiten: doch nicht meine Ver-wandten, diese bleiben immer auf ihrer rechtschaffenen DcnkungSart ge-gen mich, aber auch zugleich in ihrer alten Meynung, die Sache ein-gehen zu lassen. Und wenn ich in der Gemüthsverfassung bleibe, worinnich bis jctzo gewesen, so wäre ich auch außer Stande, sie fortzusetzen.Daher wünschte ich um so mehr, daß aus dem vorseyenden Verkaufwas würde. Denn wenn sie bey ihrer anfänglichen Erklärung blei-ben, so käme ich auf diese Weise unendlich besser weg, als wenn ichdie Sache so eingehen lassen müßte. Und so dächte ich noch nicht derHoffnung entsagen zu müssen, die mir so nahe am Herzen liegt. Siewissen am besten, was ich meyne.
Da ich die heutige Post nicht versäumen will, so kann ich Ihnenfür dießmal nicht mehr sagen, als daß ich in der größten Unruhe Ih-rentwegcn seyn werde, bis ich bessere und angenehmere Briefe vonIhnen erhalte. Schreiben Sie mir daher um Gotteswillen ja bald,daß Sie gesund sind, und daß Sie meine Bitte Statt finden lassen.Ich bedaure Sie eben so sehr, als ich Sie liebe, und beständig lie-ben werde.
E. C. K-
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