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kurzen Gebrauche mit herüber. Daß mein Bruder FranziseuS ein ehr-barer Meister im Reimen gewesen ist/ davon weiß ich nun auch, zumeiner Freude mehr, als ich damals davon wußte, als ich Ihnen ei-nige Stellen aus dieser Uebersetzung abgeschrieben zuschickte, die mirin Prose umgekleidete Reime ganz deutlich entdeckten. Damals glaubteich, daß cS nur hin und wieder Stellen und vorzüglich Haushaltungs-regeln wären, die man um sie besser zu behalten, lange vor dieserAusgabe in Reime gebracht HStke. Nun weiß ich aber, daß dasganze eilfte Buch, welches aus 62 Capiteln besteht, ehemals ein gereim^teS Werk gewesen, das, aller Wahrscheinlichkeit nach, keinen andern,als eben diesen Bruder FranciscuS zum Verfasser gehabt, und das schonin unserer Ausgabe, der Herausgeber durch die Prose etwas modern!-siren wollen; (wie ich dieses in 3 bis 4 Ausgaben des deutschen Li-vius, die ich gegeneinander gehalten, auch gesehen habe, wo eS immerder folgende Herausgeber dem vorhergehenden an neuer Mode zuvor-gethan, obnerachtet die ältesten Übersetzungen, von Bernhard Schbf-ferlin und von Wiltig von Hamclburgk, die 1S09. zu Maynz herauska-men, treulich beybehalten sind.). In dem cilften Buche sind durchund durch Verse, die aber durch das Einschiebsel anderer Wbrter voneinem neuern Herausgeber freylich hier und dort unkenntlich werden.Nicht ohne Lachen habe ich sogar die eitata nunmehr gereimt gefun-den, über welche ich anfangs ganz weglas. Z. E. am Ende des 45.Capitels steht: „Das findest dn im fünften Capitel des neunten BuchcS,gelüstctS dich zu lesen, so sucheS," oder am Ende des 48. Capitels:Das laß ich hie zu schreiben anston, wann in dem neunden Buche fin-dest» gar viel davon.
Sind Sie meines Geschwätzes nicht gerade müde, mein liebsterLessing? Ich vermuthe wohl. Aber Sie müssen mir doch noch einbischen aushalten! Weil mir einmal der CrescentiuS in den Kopf ge-fahren ist, so kann ich ihn ohnmöglich sogleich loslassen.
Die lateinischen Schriftsteller aus den mittleren Zeiten haben ihreslateinischen Styls wegen, das Unglück, daß sie entweder gar nichtangesehn, oder so schnell als es möglich ist, wieder aus der Hand ge-worfen werden, wenn sie ja ein Herausgeber irgend eines Alten, inder GeburtSnoth einer Ausgabe, nutzen muß. Den Beweiß dieser rich-tigen Anmerkung gibt mir abermals mein guter ehrlicher Crescentius.Geßner, und vor ihm, oder vielmehr mit ihm zugleich, der gelehrteProfessor der Botanik in Padua (in patsvino «Zz^mnalio) JuliusPontedera haben ihn beyde mit den alten loripwriliiis roi riMeaozusammengehalten; aber auch viel zu bald wieder bey Seite gelegt.