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wirklich eine Schande, daß dieser Mann unter uns so verkannt wird.Garrick kann kaum mehr seyn als Er!Leben Sie wohl: Ich bin stets
Ihr
Nicolai.
Braunschweig / d. 20. Aug. 1773.
Wenn Sie, mein liebster Lessing, nun zu uns herüber kommen,so werden Sie den Berengar abgeschrieben vorfinden. Ich hätte Ih-nen meine Abschrift mit dem Codice schon mit dem Herrn Drost v. D-geschickt, wenn ich meine Covie nicht noch einmal conferiren müßte,um alles aufS genaueste darzustellen. Auch hätte ich sonst noch einesund das andere von dieser Arbeit mit Ihnen mündlich zu reden, z. E-eS sind einige alte Kirchcngcbcte beym Abendmahl nur mit Anfangs-wörtern abgekürzt, die ich gerne ausgeschrieben hätte, wenn ich irgendein altes Rituale oder Missale bey der Hand gehabt hätte. Ich denkedieß läßt sich leicht ergänzen. Auch müßte der künstige Herausgeberdie I'.iti'vs, aus denen viel Stellen eingeschaltet sind, bey der Handhaben. Mit einem Worte: Ich schicke den Berengar nicht, sondernich gebe ihn Ihnen selbst. Leben Sie wohl.
Schmid.
Liebster Bruder,
Nun brauchst Du mir den Christian Weise nicht zu schicken; ichhabe ihn endlich bekommen, und seinen Masanicllo sogleich gelesen.Sein Plan ist so gut wie kein Plan, er hat die Geschichte, wie sieSiri und Giraffi erzählen, in Dialog gebracht. Vielleicht gar nichtaus so echten Quellen, sondern aus einem Deutschen Auszuge, erwürde sonst viele Umstände genützt haben, wenn er sie gewußt hätte.Da er sich die Freyheit genommen, alles auf das Theater zu bringen,so wundert es mich, daß er die interessanten Situationen nicht besserausgearbeitet, und seine Erfindung mit dem Allcgro und andere Pos-sen nicht zu einem andern Stücke verspätt hat. AuS dem ganzenStücke leuchtet auch nicht hervor, ob Masanicllo und das Volk, oderder Adel Recht hat, und zu bemitleiden ist. Wie er die Raserey ge-schildert, läßt sich kaum lesen; und wer Shakespcar'S Lear kennt, kannauf unsern Landsmann unmöglich stolz seyn.