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Doch warum ihn gleich mit Shakcspear vergleichen? Sind keinegeringern Grade des Genies, als diese, unserer Achtung werth? Duselbst sagst ja nur, daß man Funken eines großen Genies bey ihmfände, und davon habe ich mich überzeugt. Er würde, allem Ver-muthen nach, ein ganz andres Stück aus dem Masanicllo gemacht ha-ben, wenn er nicht in seiner Dcdication des Zittauischcn Theaters vonsich mit Recht sagen könnte: „Die Schule ist ein schattichtcr Ort, daman dem rechten Lichte gar selten nahe kömmt." Ich habe öfter la-chen müssen, als ernsthaft werden können, und bin niemals zum Un-willen und zur Achtung gegen Masanicllo oder einen Andern, ge-schweige zur Rührung gebracht worden. Ich kann mich nicht überre-den, daß seine wunderliche Sprache, die freilich viele große Gedan-ken verdorben, mir sie alle entzogen haben könnte. Eine und die an-dere Stelle, ein paar Situationen wären zu nutzen: der Ute Auftrittin der ersten Handlung, wo der Bandire Pcrrone und seine Spießge-sellen in das Gemach des VicekönigS einbrechen; nebst dem 13ten ebendieser Handlung; auch der 18te Austritt der dritten; nur ist dieser et-was zu gräßlich, und wer ihn so beybehalten wollte, möchte Mühe ha-ben, nicht ekelhaft oder lächerlich zu werden. Von kräftigen altenAusdrücken habe ich wenig bemerkt. Ueber Dunkelheit darf man auchnicht klagen; nur einen einzigen Ausdruck verstehe ich nicht, ob ichgleich aus dem Zusammenhange sehe, was er sagen will. Allcgro sagtzum Bravo, den er in Sack gesteckt: mause mir keine Ducaten, sonstmußt du mir das Zahlbrett lecken, >vo cS stachlicht ist.
Nun auch etwas zum Beschluß von unserm hiesigen deutschenTheater! Man hat hier ein Wiener Stück: der Tadler nach derMsde, aufgeführt; eine Satire auf Sonnenfels; aber der Verfasserhat sie wirklich auf sich selbst gemacht. Ich habe mich nicht so sehrgewundert, daß ein solches wortreiches und gedankenleeres Stück exi-siirte, als daß Koch und Brückner es unter einer Menge anderer bes-serer Wiener Stücke wählen können. Hier fällt noch dazu der Um-stand weg, daß die Satire auf Sonnenfels local ist. ES hat auch dasGute nicht, welches die Wienerischen Stücke größten Theils haben:die Verworrenheit, oder gelinder, die überhäufte Verwickelung, worausnothwendig viele gute Situationen entstehen müssen. Doch welcherStoff wäre zu unsern Zeiten ergiebiger, als ein Tadler nach der Mode?Die Wiener Schauspieldichter haben oft gute Einfälle, aber Andere soll-ten sie ausführen. Koch selbst spielte vor einigen Wochen Moliere 'nSbürgerlichen Edelmann drey Tage nach einander, und hatte sein Haus