Briefe an Lcssiug. 1773.
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alle Tage voll. Auf solche Stücke schimpft man, wie gewöhnlich > aberihm konnte man/ ungeachtet seines Alters, den Beyfall nicht versagen.
Moses empfiehlt sich Dir. Seine Reise ist ihm sehr gut bekom-men; er glaubt, seine Schwäche des Kopfes werde sich nun ganz ver-lieren. Mache doch, daß Du mir auch bald von Dir eine so guteNachricht schreiben kannst. An Kurzem ein Mchreres!
Karl.
Von Madame König.
Mein lieber Freund!
Wie hart verfahren Sie mit mir! daß Sie mir nun auf zweyBriefe keine Zeile antworten. Was kann ich mir anders vorstellen?als Sie seyn krank oder Sie haben mich vergessen. Von diesen beydenVorstellungen quält mich eine um die andre, so sehr ich mich auch ih-rer zu entschlagcn suche. Hätte ich Sie vielleicht gar beleidiget? ichwüßte doch nicht; wenigstens mit meinem Willen gewiß nicht. Ichbitte Sie nur um eine Zeile, worinn Sie mir aber die Ursache IhresStillschweigens aufrichtig sagen müssen.
Möchte ich nur hören, das Sie gesund sind! Dieß ist mein ein-ziger und eifrigster Wunsch. Ich bin unaufhörlich
Ihre
ganz ergebeneE. C. K-
Eben da ich diesen Brief zusiegeln will, tritt ganz »»vermuthetW... ins Zimmer. Wollte Gott ! ich würde so von Ihnen überrascht.
Von Madame König.
Mein lieber Freund!
So sind Sie doch wohl? und haben noch immer Hofnung IhrenEntzweck zu erhalten? Ich zweifelte an beyde». Denn da Sie in solanger Zeit uiid auf drey Briefe nicht antworteten, mußte ich wohlglauben, daß -Sie außer Stand wären, die Feder zu führen. Nunich weiß, daß Sie wohl sind, wünsche ich nur auch nun bald zu hö-ren, daß Ihre Aussichten nach Wunsch ausgefallen, damit Sie Ur-sache habe» zufriedener und ruhiger zu seyn, als Sie jetzt sind. Soviel Freude mir Ihr Brief gab, so machte er mich doch auch zu glci-Lessings Werke xm. 31