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und ihn soviel möglich an seinen Feinden zu rächen. Ich hörte dieseGeschichte an, wie die Geschichte eines von Bosheit rasenden Men-schen. Und sagte: dem ist cS noch kein Ernst, sich zu erschiessen, undso war eS auch. Acht Tage darauf kam wieder ein Brief, in welchemer sagte: die Ungewißheit, wie es in jenem Leben mit uns aussehenmich«, wenn wir das gegenwärtige Leben durch Hülfsmittel verkürz-ten, hätte ihn bisher abgehalten seinen Entschluß zu vollführen; nun-mehr» sey er aber entschlossen, und in weniger als eine viertel Stundewerde er nicht mehr sevn.
Gleich nach Empfang des ersten Briefes lief der Sekrctair T- vomPräsidenten bis zum untersten Rath; ließ den Brief lesen, und meynte,ob man nicht etwas zur Rettung des ManneS thun könnte! Alle lach-ten ihn aus, wie Sie leicht denken können, weil sür einen, der sicherschossen, wohl nicht mehr viel zu thun ist.
Unterdessen ist eS mir ärgerlich, daß der Brief durch so vieleHände gegangen. Denken Sie! was der boshafte darin sagte. Indemer klagt, daß Verdienste nicht belohnt würden, kömmt er auf mich, diedas Glück hätte, die Tapetenfabrik- zu haben, das ich nicht verdiente,weil ich sie dem Staate nicht erhalten haben würde, wenn Lessingmich gehcvrathct, wie er nach dem Tode meines Mannes Willens ge-wesen; was er aber nun nicht thun würde, weil er gefunden, daßmeine Umstände nicht so wären, wie er sich vorgestellt. Meinem Freundehabe ich es sehr verdacht, daß er mir diese Anekdote dermalen nichtgleich crzchlte, weil ich alsdann die häufigen Fragen die an mich ge-schehen, besser hätte beantworten können. Allein er entschuldiget sichdamit, daß er sie für wahr gehalten, und ihr meine damalige Krank-heit zugeschrieben habe. Es ist mir nur leid, daß ich diesen schlechtenMenschen in Gedanken behalten muß, bis ich einige Herren, die denBrief gelesen, gesprochen; denen ich nothwendig begreiflich machenmuß, daß Bosheit dahinter steckt, weil es mir sonst an meinem inWerk seyenden Vorhaben, die Fabrik zu übertragen, schaden könnte. —Nun, lieber Freund, bin ich würklich im Begriff, alles zu verkaufen;eS kommt nur darauf an, ob ich mit dem Käufer eins werde. Wiesehr ich es wünsche, kann ich Ihnen gar nicht sagen. Wenn ich mirvorstelle, daß ich den Winter nur noch hier bleiben muß, so läuft mirder Angstschweiß vom Gesicht, will geschwcigcn noch länger- MeineKinder bedürfen meiner. Madame Mollinier schreibt- Engelbert würdezu groß, um länger unter ihrer Aufsicht zn bleiben, und sie hat Recht.Was soll ich aber für eine Veränderung mit ihm vornehmen? bis ichselbst weiß, wo mir ein Wvhnplatz angewiesen ist. Theodors Fuß ist
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