484 Briefe an Lesung, 1773.
so schlimm, als er nie gewesen. Diese Nachricht hätte mich diese Tagebeynahe auf der Stelle getödtet, so bestächt wurde ich. Ich schriebauck gleich an den Professor, ob cr ihn nicht wollte zu sich kommenlassen? oder ob ich ihn nicht sollte auf hier kommen lassen? damit erunter bessere Hände käme. Ich warte mit Ungeduld auf Antwort.
Nicht wahr? ich bin eine fatale Korrespondcntin? Nichts als un-angenehmes. Was kann ich aber dafür, daß alle Arten von Unglückmich treffen. Haben Sie Mitleiden mit mir, und erleichtern Sie meinUnglück durch gute und öftere Nachrichten von Ihnen. DaS Formatverzcvhe ich, aber die Nachlässigkeit nicht, die zu weit getrieben, derGleichgültigkeit gar zu ahnlich sieht.
Zur Stärkung der Augen ist mir neulich ein Mittel gesagt, dasaußerordentlich gut seyn soll. Ueber die Blätter von blaue» Kornblu-men soll man kochendes Wasser giessen, und sie wie Thee anziehenlassen, und sich nachher, wenn daS Wasser kalt ist, die Augen öftersdamit auswaschcn. Ich glaube man kauft getrocknete Kornblumen inder Apotheke. Wenn das ist, so machen Sie den Versuch. Noch besserwird es seyn, wenn Sie bey dem Gebrauch dieses Mittels zugleichIhre Augen schonen, und statt des vielen Lesens und Schreibens, denvorstehenden Winter bey guter Gesellschaft in Braunschweig passieren.
Wenn Ihnen soviel daran gelegen, daß S. wissen soll, wie Sieüber ihn denken, so nehme ich es über mich, eS ihm wissend zu ma-chen. Seine Frau allein ist Schuld, daß ich cS bisher nicht gethanhabe; weil die alles Unangenehme, so cr erfährt, entgelte» muß. ESist der abscheulichste Mensch, der nur auf der Welt ist. Gestern hatmich die Frau besucht, die nebst ihm und den Schwestern zwey Mo-nate in Mähren bey ihren Freunden war. Sie sieht elend aus, unddas, wie mir die Schwester erzählt, aus lauter Verdruß, so cr ihr ge-macht. Die Eleonore hat sich auf dieser Reise mit dem einzigen Sohndes Baron N... vcrheyrathet, einem MaioratSherrn von 300,000Gulden, der seit drey Jahren nichts gewünscht, als sie zu besitzen.Ich glaube, sie wird glücklich seyn, und sie verdient cS, sie ist ein ar-tiges Mädchen, deren Gesellschaft mir sehr abgehet, weil sie die ei»,zige war, die mich hier unterhalten hat.
Sie fragen mich; ob Sie Gcblern antworten sollen? Sie werdenmich verbinden, wenn Sie es thun, weil cr mir in Kurzem sehr nütz-lich wird seyn können. Ich sehe ihn wohl für so klein an, daß ermich Ihre Sünden entgelten ließe.
Sie wissen vermuthlich schon, daß R. Winkelmanns Werke her-ausgibt? Ein hiesiger Banquier, Baron Fricß/ schießt das Geld vor,