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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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489
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Bricfc an Lcsfing. 1773,

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Berlin , den 20. Novbr. 177Z.

Liebster Bruder,

Leute, die uns lastig sind/ machen doch meistens den Anfang ih-res Besuchs mit den Worten: Lassen Sie sich nicht störein Auch ichfange damit an; denn ich habe gehört, daß Du jetzt Tag und Nachtüber der Vollendung eines deutschen Lexikons schwitzest. Da ich nunso ein Buch zu meinem eignen Unterrichte und zu meiner Bequem-lichkcit in der größten Vollkommenheit wünsche, so soll es mich garnicht verdrießen, wenn Du meinen Brief/ wie der Prinz Gonzaga,ungclcsen lassest und tn der Endigung des Z fortfährst. Solltest Duaber noch beym A seyn, so wünsche ich Dir Flciß und Geduld, undweder Unterbrechung von mir noch von einem Theologen, er seufzeüber den Verfall deS LutherthumS mit Götzen, oder lächle christ-frcund-lich mit den theologischen Aufklärern der Allg. deutschen Bibliothek,über die stille Verbreitung des theologischen LichtS. Wie ich auf die-sen Wunsch komme, fragst Du mich? Höre, ganz im Vertrauen,nur unter der Hand! Herr Teller, auch ein Wörtcrbuchmacher, undein Meister in Philologie, Philosophie, und aller Wissenschaft dazu,der beste Dietrich zum wahren Verstände deS N- T., ^ dieser willwider Dich schreiben. Der zweyte Theil Deiner WolfcnbüttclschcnSchätze hat ihm einen zu verdächtigen Schatz. LcibnihenS Glaube istihm ein Anstoß, und daß Socinianische Grundsätze Abgötter«» sind,ein Leibnitz -LcssingischcS SophiSma. Schmäle nicht, mein lieber Bru-der; ich glaube in allem Ernst, daß Lcibnitz die Drevcinigkeit glaubte,wenn er seine Vernunft gefangen nahm. Er würde, falls er jetztlebte, mit unsern vernünftelnden Theologen einen harten Stand ha-be». Allein ich wollte wetten, er würde sich auch heraushelfen. Ue-ber die Vernunft, und widcv die Vernunft, welch ein sinnreicherUnterschied! Wem er nicht einleuchtet, der war schon damals keinPhilosoph. Doch genug von meinem wäßrigen Unglauben.

Heynatz will, wie ich Dir schon einmal gemeldet habe, den Eu-trov herausgeben, und bittet Dich, beygebendes Verzeichnis; von denEutrovischen Ausgaben durchsehen zu lassen, um auSzumitteln, ob sichvon den zehn ersten angezeigten in der dortigen Bibliothek einige be-finden; nnd dann: ob noch andere Ausgaben cxistiren, die in Betrach-tung zu kommen verdienten.

Von AdelungS neuem deutschen Wörtcrbuchc (Ister Theil) ver-sichert er mich, daß cS so vollständig sey, wie er cS nicht erwartethätte. Doch alle zusammengesetzte Wörter im Lexikon anzuführen, sey