602
Briefe an Lesfing. 1774.
nein CabinctSrathe: /.Höre Er, dem alten Koch möchte ich wohl einenTitel geben; schreibe Er ihm nur, ob er will Commercienrath, Hof-rath, Kriegesrath, und so was werden; ich will es ihm gern accordi-ren." Als der arme Koch das allergnädigste Handschreiben erbricht,fängt er bitterlich an zu weinen, und seufzet: „Ach, der König glaubtgar, ich bin nicht klug!" Man hatte Mühe cS ihm auszureden, undihm zu bedeuten, daß der König ihn nur zu wohl verstanden, und mitDöbbelin gewiß den Spaß nicht gemacht haben würde. Aber aus die-sem Spaße erkennt nun Jedermann die Gesinnung des Königs fürdas deutsche Theater.
Ramlers Opfer der Nymphen, das mit Deinem Philotas achtTage hinter einander aufgeführt wurde, folgt hicrbey. Ungeachtet es dieersten Tage sehr voll war, so waren doch die ActeurS mit dem Vor-spiele nicht zufrieden, und der Klügste von ihnen bekannte offenherzig,es nicht zu verstehen. Die Komposition war von Schulzeund fandvielen Beyfall. Daß Ramlerische Schönheiten darin sind, zumal inden Arien, ist offenbar; aber, wie das Berlinische Publicum davon ur-theilt, das könnte wohl abschrecken, für dasselbe zu arbeiten. Ich wolltecS ihm auch gern vergeben, wenn cS nur nicht in dem Wahn stünde,daß Dummheit nicht Dummheit ist, weil sie zu Berlin , in einer Kö-nig!. Residenz, von Hofleutcn ic. behauptet wird.
Meil hat Zeichnungen zu dem Götz von Bcrlichingcn gemacht;cS kömmt nun auf Kochs Schneider an, was daraus werden wird.
Auch folgt hierbey eine Schrift über die Ehe, und BadcnhauptSBücherkatalog, Doch ehe Du über mich ganz einschläfst, höre die Ge-schichte eines Berlinischen Philosophen, der in allem Ernst verhungernwollte!
Ein gewisser eim<lilZatus 8. M., Namens Dricß, hält vor etli-chen Jahren um eine Beförderung an, wird abgewiesen, und geht,weil er nichts zu leben hat, unter die Kanonier. Hier nimmt er sichals Philosoph vor, das unvermeidliche Schicksal, die Schläge, ertragenzu lernen. Er kömmt daher nicht ordentlich auf die Parade, um nurPrügel zu haben und seine Haut nach und nach abzuhärten. SeinHauptmann, der die List endlich merkt, empfängt ihn einmal mit ei-ner zu großen Tracht, daß er vor Schmerz: o Je! ausruft. DerHauptmann fragt ihn, warum er so schreye, da er keinen Jesumglaube; denn für einen Atheisten hat Dr. sich völlig bekannt. — „Wasschreyet man nicht im Schmerz?"-Du glaubst also nichts? und nun
»1 Jetzt Königl. Kapellmeister in Dmiemart. Rarl G- Lcssmg.