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Briefe an Lessina,, 1774.
zeit beobachtet/ da der Engländer in allen Stücken mir die Sittenseiner Zeit schildert. Ob man jenem für seine Gelehrsamkeit so vieldankt/ als Shakespearn für seine Unwissenheit, glaube ich schwerlich.
Ist Dir Basedows Vermächtnis? für die Gewissen vorgekommen?Er scheint cS zu bereuen, so viel für die bloße natürliche Religiongearbeitet zu haben, und will künftig allein für sein apostolisches oderprophetisches Christenthum leben. So viel ich davon gelesen, das istdie Vorrede und hin und her einige Seiten, so hat der Man» alleTugenden und Schwächen eines Sekten-Stifter». Aber ich befürchte,er wird durch diese Schrift sich Orthodoxen und Hcterodoxcn zu Geg-nern machen. Sein apostolisches Christenthum ist weiter nichts alseine vernünftige natürliche Religion, die die Menschen nicht wiederprüfen, sondern ans seinen Händen als göttlich annehmen sollen. DerMann ist viel zn feurig, um seine Widersprüche gewahr zu werden;ob er gleich mit der Behauptung Recht hat, daß nur der kleinste Theilder Menschen zum Prüfen und Forschen aufgelegt ist.
Sulzcr, den die Aerzte alle aufgegeben hatten, bessert sich vonTage zu Tage, und ist den ganzen Winter an der Seele so gesundgewesen, daß er den zweyten Theil seines Lexikons beendigt hat. Alleinmit Mendelssohns Gesundheit will es nicht fort. Er ist noch immerder kränkliche Mann, der er vor zwey Jahren war.
Ich kann doch wegen Deiner Gesundheit völlig ruhig scvn? Undkommt von Dir etwas zu dieser Messe?
Karl.
Von Madame König.
Mein lieber Freund!
So habe ich denn keine angenehme Nachrichten mehr von Ihnenzu erwarten! Immer Klagen! Ich bcdaure Sie herzlich, und wahr-haftig mehr als mich selbst. Wollte Gott ! ich konnte zu Ihrer Zu-friedenheit was bevtragcn. Angelegener würde ich mir in der Weltnichts mehr seyn lassen. Seitdem ich Ihnen geschrieben, habe ich vonHeydelbcrg keine Zeile erhalten; auch nicht von dem Professor ausUtrecht . Ich weiß nicht, hat er den Beruf angenommen oder nicht?Werden mehrere Gelehrte, und von welcher Gattung, nach Heydel-bcrg berufen oder nicht? Kurz, ich weiß nichts. Wäre ich gegenwär-tig, so sollte eö mich wenig kosten, Ihre Wünsche zu erfüllen, wenn