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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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512
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Briefe an Lessing . 1774.

Es wundert mich/ daß Pütter über den Bücherverlag gar nichtsvon dem Verhältniß erwähnt, das eigentlich zwischen Autoren undVerlegern obwaltet. Ich weiß wohl, daß ihn die letztern mit zwev-hundert Ducaten zu dieser Schrift vermocht; aber da er viele Allotriaangebracht/ und sogar Autoritäten anführt/ welche erst beweisen müssen,daß Abdrucken viel mehr fordert, als das Abschreiben: so hätte er auchvon jenem Verhältnisse eine Digression machen könne Verdient eineArt um Geld zu schreiben, den Vorwurf der Niedrige so scheint esdie zu seyn, wenn man nicht nach Gründen, sondern n. Kontraktenschreibt. Allein ich bin weit entfernt, Püttcrn einen dergleichen Vor-wurf zu machen. Mich dünkt, er hat die Sache gründlich und richtigausgeführt; ein Paar Inkonsequenzen und die dcduktionSmäßige Weit-schweifigkeit abgerechnet.

Professor Meister in Göttingen soll der dortigen Akademie eineAbhandlung vorgelesen haben, worin er alles, was Du von der Per-spektive der Alten behauptet, wcitläuftigcr ausgeführt hat; und einezweyte eben dieses Inhalts wird nachfolgen.

Karl.

Braunschweig , d. 7. Jul, 1774.

Ich mache Ihnen ein Geschenk mit einem Fragmente eines altendeutschen Gedichts. Ich habe es erst die vorige Woche gerettet, damein Buchbinder Bremer eben den Leimpinsel in der Hand hatte, braunPapier darüber zu kleben, um ein Notenbuch daraus zu machen. Vonsolchen Dingen muß, glaube ich, (und Sie glauben es auch?) keineZeile verlohren gehen. Sie können mich also mit meinem Präsentenicht auslachen, gesetzt daß es auch kein Fund wäre, der was zu be-deuten hätte. Sie lachen über nichts was nutzen kann. Es scheintmir ein Stück von dem Leben des heiligen Vernhardus zu seyn. Obes gedruckt/ oder bey Ihnen vollständig ist, weiß ich nicht. Vielleichtwissen Sie eS, oder bringen cS doch bald heraus. Wäre cS ja schongedruckt und bekannt, so läßt sich allenfalls von dem Stückgen Per-gament allemal ein Notenbuch machen. Man kann aber nichts schen-ken, was man nicht hat. Genung wenn man gibt, was man hat.Leben Sie wohl, liebster Lessing , und behalten mich ein bischen lieb,

Ihren

Schmid.