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entschlossen, den Winter hier zu bleiben; wohne auf dem Nest/ woselbstich gegen dem Kayscrshof über zwey Zimmer gemiethet habe. Mat-chen ist bey mir, die beyden Söhne habe ich in der Kost gelassen, dochFritzen nur bis Weynachtcn; dann nehm ich ihn auch zu mir. Dießist gar ein allerliebster Junge, fast glaube ich an die Zlltcwcibcr-Mei-nung: die Gevatter hatten Einfluß auf die Kinder. Wenigsten»war keines meiner Kinder im 7tcn Jahre so klug, wie er.
Nun will ich Ihnen nur noch in der Kürze erzchlen, wie ichunsre hiesigen Cirkel angetroffen. Madame B- nebst ihrem Manu ganzgesund, eben aus den Wochen kommend, aus denen sie sich aber zufrüh heraus gcwaget, wofür sie zwev Monat lang ganz schreklich hatbüsscn müssen. Würklich war sie so elend, daß ich öfters in der größ-ten Besorgniß ihrentwegen war. Jetzt ist sie wieder so gut, daß sieauSfahrcn kann. Sie hat diesen Mittag bey mir gespeißt, und hatmir unendlich viele Empfehlungen an Sie aufgetragen, mit der Bitte:Sie möchten Hamburg bald besuchen. Madam G. hat seit meinemHierseyn ihr zweytes Wochenbett mit einem jungen Sohn gehalten,und hat also nun ein Pärchen allerliebster Kinder, von denen sie aucheine recht brave Mutter ist. Ihr ganzes HauSwescn ist umgekehrt.Statt in der Karte zu spielen, macht sie nun Kindcrhemdcn. Ihr Mannist gesund, und hat keine andre Sorgen, als die: seine Frau mochtezu viel Kinder bekommen. V. K- ist der Alte, schmeichelt seiner GÜbermaßen, und überhäuft sie mit Geschenken, damit ihre Gedull überden ausschweifenden Umgang mit Madam S nicht erschlafft wird,und erreicht auch soweit seinen Entzweck, daß sie, dem Aeußerlichcnnach, Contenance behält. Ich bedaurc und bewundrc sie. WaS Siemir vom Krebsschaden erzählt haben, ist nichts; er befindet sich wohl,und ist dick und fett geworden. Madam Z. ist seit acht Monatenkeine höchstbetrübte Witwe. Sie ist wohl, und sieht noch immer sehrgut auS. Nun komme ich auf unsre gute liebe S-, die ist noch immerhier, und wird durch die wohlthätigen Hamburger so gut erhalten,daß sie bis jetzt keinen Mangel gelitten. Von M hat sie ein ganzesHauS, so sie frey bewohnt. Ihr Mann ist durch K- F. beym P. Lottomit 4oo THIr- Gehalt angestellt worden, wo er nun ist, und seinenältesten Sohn bey sich hat. Die übrigen Kinder sind bey ihr, unddie ältesten unterstützen sie mit durch ihre Handarbeit. Dieser Tagehat K- F. ein Dinee bey ihr gegeben, wozu ich, alles Weigern unge-achtet, kommen mußte- Gott weiß aber, wie mir dabey zu Muthewar. Zwar ihr Ansehen flößt kein Mitleiden ein, Sie ist dieselbe,die sie immer gewesen, lacht von ganzen Herzen. Aber eben das Lachen