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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessiiig. 1776.

Sie zweifeln/ ob Sie Ihr Versprechen erfüllen, und antworten wer-den. Der Vetter hat sich aber vorgenommen, daß wenn Sie nichtantworten, er posttäglich schreiben will, bis er einen Brief von Ihnenerhält. Ich glaube aber, daß eS bey der Bedrohung bleibt; denn alser sie machte, hatte er das Nesselfieber, und mußte die Stube hüten,jetzt schlumpert er schon wieder herum, und ist um so mehr beschäfti-get, weil an dem Herrn von B- sich ein Rival hervorthut, dencr mit aller Sorgfalt abzuwenden sucht. Mit seiner Nase will es garnicht gut werden. Ich fürchte, daß eS übel damit ausschlägt. DieTante ist noch immer die gcdultige und liebenswürdige Frau. So oftsie sich der ihr so beschwerlichen Gesellschaft nur immer möglich ent-ziehen kann, besucht sie mich. Zu der Gesellschaft habe ich sie ausdrück-lich gebeten, mich niemal zu nöthigen, denn sie bestehet aus einemAusschuß von höchstfatalcn Menschen, daß ich es für eine Strafe an-sehen würde, wenn ich mit ihnen umgehen müßte. Ihr ganzes Amü-sement besteht in überaus hohen Spiel, wobcv sich, wie Sie leichtdenken werden, der V. nicht übel stehet.

In den Weihnachten hatten sie Parthie nach Jcrsbeck gemacht,bey welcher K- eooo Mark Banko gewonnen haben soll. Daß dasHamburger Lotto nicht wieder zu Stande kommt, und fast einhelligvon der Bürgerschaft abgeschlagen worden obschon der Rath so trif-tige Vorstellungen dafür gemacht hatte wissen Sie wohl schon?Wenn zugleich alle fremde Lottos mit fortgeschaft würden, so wärewohl nichts heilsamcrs für hiesige Einwohner, die noch immer weg wiedie Rasenden spielen. So aber weiß ich nicht, ob man Recht gethanhat, zumal das Altonacr Lotto vor der Thüre sitzet. Wenn in dergestern gezogenen Braunschweiger Lotterie die Nummern 20, 31, 00,62 gezogen sind, so habe ich eine Quaterne von 4 Schillingen gewon-nen. Auf flehentliches Bitten von Fritze, habe ich seit zwey Jahrendicßmal zum erstenmal wiederum gesetzt.

Der arme Fritze! hat diese ganze Woche ein heftiges Fieber ge-habt, was anfänglich ein hitziges Fieber zu werden drohcte. Gottlob!Heute ist er wieder munter. Er und Malchcn den Engelbert habeich nicht bey mir empfehlen sich Ihnen. Sie wünschen mit mir,Sie bald zu sehen. Wäre es denn nicht möglich, daß Sie auf achtTage nur einen Sprung auf hier thäten? Ich wünschte eS so sehrals man etwas wünschen kann. In Ihrer Affaire müßten Sie frey-lich nichts versäumen. Das wollte ich nicht um wie viel. NehmenSie es in Ueberlegung; geht eS denn an, so machen Sie mir das