Von Madame König.Mein lieber Freund!
Mit Ihrem Briefe vom 2Zten v. M. ist es mir ergangen, wieIhnen mit dem meinigen. Ich habe ihn chegcstern erst erhalten. Undhabe deswegen acht Tage lang in der Sorge gelebt/ Sie möchten inHamburg eingetroffen seyn, unterdessen ich mich in York aufhaltenmußte, weil Madame Sch. eine Unpäßlichkeit zugeflossen war, die dieUeberfahrt über die Elbe nicht erlauben wollte. Gottlob! sie ist besser/und wir sind die Mittcwoche herübergekommen. Ich, was meine Ge-sundheit anbelanget, so gebessert, daß alle meine Bekannten sich wun-dern. Die Hofnung, Sie bald zu sehen, hat wohl mehr dazu beyge-tragen, als die Landluft und der Pyrmontcr Brunnen. Ich zahlejede Minute, die mich diesem angenehmen Augenblicke nähert. MachenSie nur, daß ich bald aufhören kann zu zählen. Meine Tochter istnoch auf dem Lande, ich bin also nur bloß in Gesellschaft meinesFritzen, (denn daß Engelbert in der Kost ist, wissen Sie wie ich glaube,)der sehr verlanget Sie kennen zu lernen.
Die Sache wegen der Jüdinn haben Sie wohl vergessen, weilSie davon nichts melden. Hätten Sie sie noch nicht gesprochen, undihr die Steine überliefert, so möchte cS nun wohl zu spät seyn, weilich die Abrede mit ihrem Manne genommen, sie um die Zeit, wie ichsie an Sie schickte, wieder zurück zu geben oder zu behalten. Dochkönnen Sie es immer noch versuchen.
Nun wünsche ich, daß dieß für diescsmal der letzte Brief seynmöge, daß ich Sie bald gesund umarmen, und Ihnen mündlich sagenkönne, wie sehr ich bin
Ihre
ganz ergebeneE. C. K-
Von Madame König.
Mein lieber Lessing!Ob ich gleich zwischen Kisten, Koffern und alten Papieren sitzemit dem festen Vorsahe, mich durch nichts stören zu lassen, um heutemit dieser Kramcrev völlig fertig zu werden, und künftige Woche alleTage spatzieren gehen zu können, weil mir die Bewegung durchaus