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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an L-ssiug. 1777.

Also ist nun die deutsche Nationalschaubuhne in Manheim ?Glück zu! Sie ist nun doch wenigstens um so viei näher, als inWien , wo sie vormals war. Zuletzt kommt sie wohl noch nach Wölfen-büttcl; denn daß sie bis nach Berlin käme, da sey Gott vor! ES würdeihr gehen/ wie gewissen im Schwünge angetriebenen Körpern, welchein nilnlum reducirt sind, wenn sie in ihren Mittelpunkt kommen.

Cacault schreibt mir unter andern: Herr Mcrcier wolle die Dra-maturgie französisch herausgeben*), und damit, vereinigt mit seinenAnmerkungen, alle französischen Tragddienschreibcr niederschlagen. Noch-mals Glück zu!

Meinen Almanach") haben Sie denn doch gesehen, ob Sie mirgleich nichts darüber schreiben, denn ich habe ihn Ihnen in der letztenMichaeliSmcsse gesendet. Ich will noch einen Theil liefern, und danngenug, damit der Spaß nicht allzulang werde. Um diese Sammlung,der Absicht nach, würdig zu schließen, soll das letzte seyn-Ein Volkslied für gelehrtes Volk.Und'dies das Lied in sechs Sprachen:

Hast du nicht gesehn

Jungfer Lieschens Been?Ich habe davon die griechische, lateinische und engländischc Übersetzungim Sinne behalten; aber die italiänische und französische Strophehabe ich vergessen. Nun sollen Sie bestens ersucht sevn, !>uM-t<'>tIvllic- vuv, diese beyden Strophen auf ein Blatt zu schreiben, undmir mit der ersten Post zu übersenden. Wollen Sie ganz IhrenVorsatz halten, an Ihre Freunde gar nicht zu schreiben, so senden Siemir nur das Blatt, und weiter kein Wort. Hat aber der Ehestand,wie ich hoffe, schon Ihren stieren Sinn in etwas gebrochen, so wer-den Sie vermuthlich wohl noch ein Paar Worte hinzusehen.

Ich kann Ihnen wenigstens so viel sagen, daß MoseS sich wie-der wohl befindet, und zu meiner großen Freude an Kräften, obgleich

°) Hr. Cacault blieb ziemlich lange i» Wolfcnbüllcl, und studierte sich,in Lessings Gesellschaft und uiUcr dessen Anweisung, ganz in das Eigenlhüm-liche der deutschen Literatur hinein, worin ihm anfänglich alles so fremd gewesenwar. Er übersetzte noch in Wolfenbüttcl die Dramaturgie, i» der Absicht,sie nach seiner Zurückkunfl in Paris drucken zu lassen. Der berühmte Mer«cier hat wirklich nachher diese Ucbcrsctzung mit seinen Anmerkungen heraus-gegeben. Nicolai.

") Ein kleiner feiner Almanach von Volksliedern, von Daniel Seu-berlich, 1777. 12. Nicolai.