Briefe an Messing. 1777.
687
ganz versteht) einen gelehrten Rabbiner fragen und Ihnen die Ant-wort melden.
Der Vergleich Ihres ehemaligen sächsischen und preußischen Pa-triotismus mit Ihren jetzigen frer-gcistccischen ^neccloliZ und theologi-schen Widerlegungen ist höchst richtig. Nur dünkt mich, Sie hattenmir einmal selbst gesagt, wenn Sie oft hinter einander mit dem eifri-gen Rrauchenf in Leipzig disputirt hätten/ so wären Sie durch dieHitze des StreitS auf eine Zeitlang in Ernste preußisch geworden. —Hm! daß eS Ihnen mit Ihren lheologischen Disputen nur nicht auchso geht! Die Polemik ist eine schöne Hure, die zwar an sich lockt,aber wer sich mit ihr gemein macht, — und das begegnet den gesun-desten am leichtesten, — bekommt Krätze oder Filzläuse, die dann festsitzen, wenn die Hure schon längst vergessen ist.
Leben Sie wohl! Ich hätte noch allerley zu schreiben; aber meineAugen sind halb blind. Ich bin
Ihr
Nicvlai.
Mein liebster Bruder,
Wieder zwey Briefe auf einmal von Dir? O, ganz natürlichesWunder d-S heiligen Ehestandes! Meinen feycrlichen Dank nicht sowohl Dir, als Deiner lieben Frau.
Deinen ersten Brief brachte mir Mag. Svittlcr. Die kurze Zeit,die er sich hier aufgehalten, hat er fleißig die Theologen besucht; ichbin sogar in Charlottenburg bey Eberhard mit ihm gewesen. BeyNicolai aber nur einen Augenblick; denn er war so eben erst von derMesse gekommen, und Svittlcr wollte den Morgen darauf fort. Nachseiner Abreise erhielt ich einen Brief an ihn, der noch bev mir liegt,weil ich nicht weiß, wo er sich aufhält, und er mir sagte, er wollteerst eine Reise über Dresden nach Wien machen, ehe er in sein Va-terland zurückginge.
Was Du mir von dem Manhcimer Theater in Deinem zweytenBriefe meldest, stimmt mit allem dem, was ich nachher davon erfahrenhabe, übcrcin. Nur Eins verdrießt mich, was ich letzthin in einer Zei-tung laS: cin gewisser Schmid (wenn eS der von der SchuchischenGesellschaft ist, so ist er gewiß nicht ganz schlecht) habe schlechtenBeyfall gefunden, ob Du ihn gleich empfohlen. AIS wenn in Man-heim das wahre Talent entschieden würde!