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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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589
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Brief« an Lessing . 1777.

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unwürdig ist, eine solche Wohlthat, und zugleich seinen rechtschaffnenAeltern einen nicht geringen Dienst zu erweisen. Der Herr Commis-sariuS G- in Hannover schreibt mir, daß sein jüngster Sohn, der, wieSie wissen werden, ein paar Jahre unter Ocsern die Malerev studierhat, vor einigen Tagen Dresden , wo er sich etliche Monathe aufgehal-ten, verlassen habe, um nach Italien zu reisen. Er geht über Prag nach Wien , wo er von dem General von Wallmoden Empfehlungs-schreiben zu bekommen hoffen darf, wie er schon eine besondere Empfeh-lung von dem Grafen von Vitzthum an MengS bekommen hat. Vonda wird er über Venedig, Bologna und Florenz nach Rom eilen, woihn der Vater ein paar Jahre unterhalten will. Nun ersucht mich derletztere, mich sogleich mit unserm Professor Schmid zu vereinigen, umseinem Sohne vergleich«» auch von Ihnen zu verschaffen. Aber ichhabe so viel Eigenliebe, (doch wohl nicht zu viel?) daß ich mir zutraue,ich könne dies«» wohl ganz allein bey Ihnen auswirken, und so wohlIhre Menschenliebe als auch Ihre Freundschaft gegen mich, lassen michhoffen, daß ich keine Fehlbitte thun werde. Seyn Sie denn so gütig,mir, so bald Sie können, Empfehlungen für ihn, an Ihre Bekanntein Rom , z. E. an den Herrn Rath Reiffenstein, oder andre, zuzusen-den, damit sie ihm nach Wien nachgeschickt werden können. Der jungeKünstler wünscht besonders «ine Adresse an den Cardinal BerniS zuhaben, weil ihm der als «in sehr braver Mann gerühmt worden ist.Gute Adressen sind ihm desto nöthiger, je jünger er ist, denn er ist nochnicht 19 Jahr alt. Sie werden aber desto geneigter seyn, ihm welchezu geben, je sichrer Sie seyn können, daß er seinen Gönnern, und vor-nehmlich Ihnen, sowohl durch seine Talente, als durch seinen Fleißund seine übrige Aufführung, Ehre zu machen suchen werde.

Weil ich doch einmal beym Empfehlen und um Empfehlung bit-ten bin, so muß ich doch nicht vergessen, mich und meine Louise Ih-nen bestens zu empfehlen, und Sie in ihrem und meinem Nahmen zuersuche», daß Sie bey der ersten Gelegenheit, da Sie wieder zu unsherüber kommen, den dritten Theil von LavatcrS Physiognomie und dieMcrcüreS, die mir Herr von K- geliehen, und die er, wie er sagt, auchvon mir wieder fordern will, mitbringen. Dieses empfehlen Sie feinsich selbst. Aber noch ernstlicher wünschen wir, daß unser AndenkenIhnen und Ihrer lieben Frau empfohlen seyn mög«.

Der

Braunschwcig,den 30. Sept. 1777.

IhrigeI. A- Ebert.