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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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595
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Nriefc an Lessing . 1777.

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nichts ist! DaS Volk dränget sich nie in grössere Haufen, als wenncS nicht weiß, warum.

Ihren Aufschluß von dem Ursprünge des. Nahmens, müssen Sieunserm Nicolai irgend einmahl entdeckt haben. Der hat mir, wo ichnicht irre, schon verschiedentlich davon gesprochen. Wenigstens erinnereich mich gar deutlich, so etwas von einem meiner Freunde schon öftersgehört zu hnbeu, und außer Ihnen und Nicolai habe ich mit nieman-den von der Frcymäurercy gesprochen.

Ich behalte Ihre Gespräche noch in Handen, und schicke Ihnendafür bcvkommcnden Aufsatz über die Jdccnverbindung. Prof. Engelverlangte eine Erklärung der lyrischen Dichtkunst, und dazu gehörteeine nähere Beleuchtung des Zusammenhangs der Begriffe, als gemein-hin in <^omi>e»iIÜ8 vorzukommen pflegt. Für Sie wird der Aufsatzzwar nichts Neues enthalten; er kann aber dazu dienen, unserer bevor-stehenden Unterredung einen bestimmtem Stof unterzulegen, damit wirin der Menge der Dinge, die wir uns zu sagen haben, ein unvcrrück-teS Augenmerk behalten. Und hiermit leben Sie wohl! Ich kommeund bringe meine Frau mit, die sich, so wie ich, Ihnen und Madamherzlich empfiehlt.

MoscS Mendelssohn.

Berlin , den 15. Novbr. 1777.

Liebster Bruder,

Von unserm MoseS wirst Du das Verlangte in einer Schachtelnun richtig erhalten haben, und die Ursache wissen, warum ich nichtmitkommen können. Bey einem kleinen Acrgcr flucht und schwörtman; bcv einem großen wischt man sich die Augen. Sollte Moses noch lauge wegbleiben, so bcdaurc ich, daß Dein Sohn (der doch gewißnoch zu uns kdmml?) zu spät kommen möchte, um Brockmann ausHamburg hier spielen zu sehen, welcher mit der Rolle des Hamlet diedeutsche Welt zu Berlin in große Erwartung seht.

Hier wollte mau mir sagen, daß der König dem Herzoge die Wol-fenbüttclschc Bibliothek abkaufen werde. Die RechtSgclehrtcn mögenDich als das Principale oder als das Acccssorium betrachten, Du wirstallezeit mit verkauft. Sie soll, fagt man, in die hiesige neue Biblio-thek kommen, die unsers Moses ältester Sohn des Königs Büchcrkom-modc nennt, und die mit der Königlichen Bibliothek auf dem Schlossenicht vermengt werden muß. Da Du von Deinen Schafen nicht allzu

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