sen hast. Warum schicke ich sie Dir also? Damit Du hübsch artigwirst, und mir Deine Sache» früh zu lesen giebst; denn ich bekommesie immer sehr spät aus dem Laden. Letzthin bekam ich auch meineKomödie, der Bankerottirer, die man in Wien aufgeführt hat, ge-druckt. Bald wäre ich unwillig darüber geworden/ so verhunzt hatihn die Censur. Es ist keine Ehre, dort aufgeführt, aber wahreSchande, dort gedruckt zu werden.
Diesen Sommer verreisest Du wohl nicht? Ich hatte mir vorge-nommen, Dich zu besuchen; aber es kann nun für dieses Fahr nichtsdaraus werden. Reise Du doch; Du bist mehr Dein eigner Herr, undReisen ist gesund. In Berlin ist eine ganz gesunde Luft, und die hie-sige Geistlichkeit kann nicht verfolgen, wenn sie auch mitunter nochverschreien kann. Allenfalls kannst Du Dich mit Silberschlage» münd-lich unterreden-
Ich und meine Frau umarmen Dich. Dein Antigdtz^bcweisct we-nigstens, daß Du bey gesunder Galle bist.
Karl.
N- S. Hast Du Nicolais Gedichte? Ramler hat mir einige vor-treffliche Sachen daraus vorgelesen. Dieser Nicolai wohnt in Peters-burg , und hat schon Gedichte und dergleichen herausgegeben, die abernicht sehr bekannt geworden sind. Ramlcr setzt ihn fast über Wicland,worin ich ihm doch nicht beystimmen kann, so sehr ich ihm auch denfeinsten Geschmack zugestehe.
Liebster Bruder,
Eine Nachricht, mit der man sich hier seit etlichen Tagen sehrernstlich herumträgt, macht mich Deincthalbcn sehr besorgt. Man sollDir untersagt haben, in Deinen theologischen Streitigkeiten ferner zuschreiben. Einige plaudern, es sey von der dortigen Regierung gesche-hen ; und in diesem Falle bin ich noch mehr um Dich besorgt. Andereaber, der Befehl sey vom (.'oijinro ev-mgvlico gekommen; und in die-sem Falle dächte ich, würde der Hergang wohl zeigen, daß es das^oi'pu-j «v--»gel!eum dcS H. R. Reichs sey. Ich bitte Dich, meldemir mit erster Post, was daran ist. Unser Freund MoseS grüßt Dich,und bittet, wenn dieses Gerücht wahr ist, um Mittheilung einer Ab-schrift von der UiitersagungS-Acte. Er wird darüber an Dich schrei-ben, und den Brief drucken lassen, damit Du und. Andere ihn besserlese» können. Er hat immer prophczevhct, daß eS so komme» würde.