620
Briefe an Lcssing. 1779,
sich genommen. Einige werden Dir die Subscribenten selbst übcrschickcn.Ramler wird Dir wohl die sechsfüßigen Verse, die sich wiederum darinfinden, angezeigt und andere Bemerkungen gemacht haben. Wenn icheinmal ein Stück in solchen Versen schriebe, ich würde sechsfüßige,siebcnfüßige und vicrfüßige machen. Ick? sehe nicht ein, warum nicht.
Ich muß jetzt wider meinen Willen, und doch mit Vorsatz, tage-löhnern; das beißt, ich habe mich anheischig gemacht, alle Staatsschriftcn und KriegeSbegcbcnheitcn zu sammeln, wovon der erste Theilfertig ist. Ich will Dir ihn wohl übcrschickcn. Abcr zu was denn?ein paar Schriften, die guten, wirst Du doch wohl gelesen haben, unddaS übrige ist langweiliges wiedergekäutes Gewäsch ex okl'mio. Manhat die Bemerkung gemacht, daß über keinen Krieg so viel geschrie-ben worden, als über den jetzigen und vorigen Krieg des Königs.
Karl.
Eöttingen, den 24. Jan. 1779.
Ja wohl geschieht mir mit der Cöllnischen Edition des PliniuSvom CäsariuS ein großer Dienst: denn zwischen ihm und GclcniuStheilt sich daS Verdienst deS jetzigen texlus vulznli. ES ist mir ver-haßt, daß ich mich in alle die Klaubcrcyen einlassen soll; indessen kannich mit den letzten Büchern im PliniuS keinen Schritt thun, ohnediesen Punkt ins Reine gebracht zu haben. Wie und woher ist unserjetziger Text? Glücklicher Weise habe ich so viel bereits entdeckt: Inden alten Editionen, die ich noch kenne, ist wenig zu holen, sie sehensich ziemlich ahnlich. Die ersten Verbesserungen hat HermolauS ge-macht, und nach ihm ist eine ganze Classe Editionen geändert. NeueVeränderungen finden sich in der IZeiielliclina Venet. Zl)7-, die aberdoch nicht beträchtlich sind. Aber auf einmal ein ganz neuer Text erscheintin den ^clcl. t-elenianis. Da vermuthe ich indeß doch, daß ein Theilder Veränderungen vom CäsariuS sind. Wollen Sie den Pintian bey.legen, so nehme ich cS mit Dank an, und werde mich freuen, wennich Ihre Fccundschaft erwiedern kann,
Ihr ganz ergebensterHcvne.