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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
658
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K68

Berichtigungen und Zusätze

S. 37».

An den Staatsrath Freiherr,, roi, Gebier in Wien .")

Werthester Freund!

Ew. 5?ochwohlgebohren werden mir erlauben/ daß ich Dero Bey-spiele folge, und alle Formalitäten bev Seite setze, welche das Brief-schreiben unter Leuten so eckel und beschwerlich machen, die eben nichtnöthig haben, sich nur von Seiten ihrer bürgerlichen Würden zu schätzen.

Und doch bey aller dieser Erleichterung des Schreibens, aiitworteich so spät. Ich muß um Verzeihung bitten; aber hinzusetzen, daßich diese Verzeihung verdiene. Ich bin den ganzen vcrflvßncn Som-mer nichts weniger als gesund gewesen. Ich habe mich aller angreifendenArbeiten cntschlagen müssen, und ich weiß nicht, wie es kommt, daß beymir auch der leichte freundschaftliche Brief mit unter dergleichen Ar-beiten gehört. Meine ältern Freunde wissen das recht gut. ZürnenEw. Hochwohlgebohcen nur nicht, daß Sie gleichfalls die Erfahrungdavon machen.

Nun denn also zuvörderst meinen verbindlichsten Dank für dasangenehme Geschenk Ihrer theatralischen Werke. DaS Eremplar anunsers Herzogs Durchlaucht habe ich sogleich übergcbin, und den Auf-trag dagegen erhalten, dem Verfasser nicht bloß das Angenehme darüberzu sagen, was man bey dergleichen Fällen zu sagen gcwobut ist, sondernihn ganz besonders zu versichern, wie viel Vergnügen sich Sc. Durch-laucht davon versprechen, da Sie durch die Vorstellung einiger Stückedaraus, bereits so vortheilhaft darauf vorbereitet worden.

Ich will mit diesem meinem Danke sogleich den zweyten verbinden:sür die zwey neuen besondern Stücke, welche ich durch Herrn Sei-ler erhalten habe. Ew. Hochwohlgebohren haben von meiner ILmilieviel zu gütig geurthcilet, als daß ich es nunmehr wagen dürfte, mitGcgenlob meinen Brief zu füllen. Dazu habe ich nur cincn einzigenGesichtspunkt, aus welchem ich ein theatralisches Stück beurtheile,Nehmlich die Vorstellung. Ich traue weder meiner Empfindung, nochmeiner Kritik anders, als vor dem Theater. Nächstens aber werdeich das Vergnügen haben, wenigstens das eine Stück, Leichtsinn undgutes Herz, aufführen zu sehen; indem die Rollen bereits gelerntwerden. Wenn Ew. Hochwohlgebohren mir sodann erlauben, ohne Wort-

*) Die vier Briefe an Gebler sind aus der Autoqraphcnsammlung FranzGrösser« in Wien herausgegeben von Fr. Schlegel im deutschen Museum,August 1813, S. 16l; der erste auch im Gesellschafter 1830, S. 13.