zum zwölfte» Bande.
gepränge, was ich empfunden habe, zn sagen: so werde ick nicht dieKritik unter das Lob, sondern daS Lob unter die Kritik verstecken.
Daß meine iLmilie auch bey der Vorstellung in Wien nicht miß-fallen, ist mir sehr lieb gewesen. Aber über einen einzigen Umstanddabey kann ich mich unmöglich enthalten, mein äußerstes Befremdenzu bezeigen. Wien hat jetzt die einzige Person, von welcher ich glaube,daß sie die Orsina würde gut gemacht haben; und diese einzige Personhat gerade diese Rolle nicht gemacht, und überhaupt keine Rolle indem Stücke gemacht. WaS soll ich davon denken? Entweder ist daSWiener Theater auf einer Staffel der Vollkommenheit, von derich mir keinen Begriff machen kann; oder auf einer Staffel der Mit-telmäßigkeit, von der ick, mir keinen Begriff machen will. Ich binkein persönlicher Freund von Madame Hänselinn; aber ich muß ihrdie Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ich noch keine Acrrice gefun-den, die das, was sie zu sagen hat, mehr versteht, und es mehr empfin-den läßt, daß sie es versteht. Wo man dieser Vollkommenheit, dieich für die höchste eines Schauspielers halte, ein wenig mehr Jugendund Schönheit, ein wenig mehr Anstand, ein wenig mehr von demelenden Dinge, daS man Air der großen Welt nennt, vorziehen kann,da ist man sicherlich in der Empfindung des wahren noch sehr weitzurück. Ich will nicht glauben, daß dieses so ganz der Fall in Wien ist, aber! . . . aber! des Herrn von Sonncnfels kritische Blätterüber das Wiener Theater haben mich schon längst so etwas besorgenlassen. . .-
Doch ich enthalte mich, mich welter darüber z» erklären. WaSin meiner Aeußerung Beleidigendes für daS Wiener Publicum sey»dürfte, will ich gar nicht, oder nur zu einem Freunde im Vertrauengesagt haben.
Nur eines möchte ich, in Betreff der lLmilie, von Ew. Hochwohl-gebobrcn noch wissen: ob nnd mit was für Veränderungen man sieaufgeführet? Denn daß man ein Stück von mir in Wien ohne Ver-änderungen aufführen werde; das habe ich nach dem, was meine Stückebeständig daselbst erfahren, gar nicht zu erwarte». Selbst aus demeinen Thcaterkalcndcr habe ich gesehen, daß man noch kein einzige«aufgeführt, ohne daß es nicht dieser oder jener Herr entweder über-arbeitet, oder verkürzt, oder für das dasige Theater eingerichtethätte. Ich erinnere mich, daß ich vor einigen Jahren, als ich ein-mahl die Ehre hatte, dem Hrn. von Sonncnfels zu antworten, michnicht entbrechen konnte, ihm meine Empfindlichkeit über ein solchesVerfahren z» bezeigen, dem auf keinem andern Theater auch nicht der
42'