Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
14
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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.

stcllcrs anzugreifm, fiel er mit so frommer Galle, mit einemso pictistischcn Stolze auf den moralischen Charakter desselben;brauchte so hämische Waffen; verrieth so viel Haß, einen sovcrabscheuungswürdigcn Ncrfolgungsgeist,* daß einen ehrlichenMann Schauder und Einsetzen darüber befallen mußte.

Er hatte sogar das Herz, einen vcrchrungswürdigcn Gottcs-gclehrtcn zum Werkzeug seiner Erbitterung brauchen zu wollen.Doch dieser fand auch hier Gelegenheit, seine edle Mäßigung,seine philosophische Billigkeit zu zeigen. Denn ohne Zweifel ister allein Ursache, daß Herr U?ielanS in der Sammlung sei-ner prosaischen Schriften, aus der Zuschrift der Empfindun-gen des Christen, die härteste Stelle weggelassen hat.

Ich sende Ihnen hier diese Sammlung," in welcher Siemanchen neuen Aufsatz finden werden. Sie müssen sie alle le-sen; denn wenn man einen IVielanS nicht lesen wollte, weilman dieses und jenes an ihm auszusetzen findet; welchen vonunsern Schriftstellern würde man denn lesen wollen? Fll.

Achter Brief.

Auch mir sind unter den Vviclandischen Schriften die Em-pfindungen des Christen das anstößigste gewesen.

Empfindungen Vcs Christen, heisscn Empfindungen, die einjeder Christ haben kann, und haben soll. Und von dieser Artsind die Mclandischen nicht. Es können aufs höchste Empfin-dungen eines Christen seyn; eines Christen nehmlich, der zugleicher Zeit ein witziger Kopf ist, und zwar ein witziger Kopf,der seine Religion ungemein zu ehren glaubt, wenn er ihre

° In der letzten seiner Sympathien; nnd hernach in der Zuschrift seinerEmpfindungen eines Christen, an den Herr» Obcrconsistorialrath Sack.

°° Zürich , bey Orcll und Compaq. 1758. in drey Theilen. EnthaltI. t) Sympathien. 2) Thcagcs, oder Unterredung von Schönheit und Liebe.3) Gesicht von einer Welt unschuldiger Menschen, il. 1) Empfindungendes Christen. 2) Hvmne auf die Allgcgcnwart Gottes. 3) Betrachtung überdie Gerechtigkeit Gottes, m. t) Betrachtungen über den Menschen. 2) Ge-sicht des Mirza. 3) Zwcv Selbstgespräche eines lugcndhaftcn Heiden. 4) Planeiner Akademie, zu Bildung des Verstandes und Herzens junger Leute. 5) Ge-spräch des Socratcs von der scheinbaren und wahren Schönheit.