Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
33
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I. Theil. Finifzehntcr Brief.

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Augen lind hungernder Begierde die grosse Schüssel voll, die aufdem Tische steht. Kommt, Brüder! spricht er, wenn er Mcnschcn- köpfe zn spalten ansrcitct, laßt uns sehen, wo wir Rüben zerhackenkönnen. Er trinkt Blut aus Hirnschädcln; sein Pferd tränkt erauch damit, und wenn sein fürchterlicher Schnautzbart davon ge-böthet wird, so wischt er es nicht weg. Im Quartier spricht erzum Wirthe: Gib, was du hast/ und was du nicht hast,das gib auch, alsdenn sterbe; und zur Wirthin: Lebe du bisMorgen, und spreite iyt ein Dett an, für mich und dich.Wenn ihm ein Priester begegnet, so flucht er, und denselben Tagwill er nicht auSrcitcn, denn dieser Huud (sagt er) hat mir ein Un-glück vorbedcutet." -

Noch eine kleine Stelle will ich Zhncn daraus abschreibe»,weil sie einige Beziehung auf meine vorige Briefe haben kann.Sie werden sie leicht entdecken.Wie viele Heuchler und Kctzcr-wacher, sagt der Verfasser, machen es gerade wie der nichlswnr-digc Dlifil in der Historie des Fündlings, welcher blos deswegenin der Bibel gelesen, damit Tom Ioncs Schläge kricgc! Fll.

VI. Den 8. Februar 1759.Fünfzehnter Brief.

Eine unangenehme Nachricht, und die ich nur erst gesternerfahren habe! Auch der Grenadier, unser Preußischer Barde,ist bey Zorndorf verwundet worden. Minerva hatte da nocheinen andern Liebling zu schlitzen! Doch sind seine Wun-den so gefährlich nicht; sie haben auf eine kurze Zeit nur denSoldaten in ihm untüchtig gemacht, aber nicht den Dichter:denn dieser hat bereits, und in einem weit ernstem Tone, alsman von ihm gewohnt ist, den grossen Tag besungen. DasGedicht gehet nur noch in der Handschrift hier unter seinenFreunden herum; und ich habe seiner noch nicht so lange hab-haft werden können, es ganz für Sie abzuschreiben. WollenSie sich aber, bis dieses geschehen kann, mit cinigc» Fragmen-ten begnügen? Es ist überschrieben:An die Muse.Was siehest du so schüchtern nach mir her?Scheut eine Kricgesmuse, die den HeldLesimgs Werk- vi. 3