4t) Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
Wenn Sie mir daher erlauben, daß ich die Bibliothek mei-nen Briefen gleichsam zur Basis machen darf; so bitte ich mirauch die Freyheit aus, vcrschicdnes darin anzeigen zu dürfen,womit ich so vollkommen nicht zufrieden bin. Meine Erin-nerungen werden größten Theils dahinaus lauffcn, daß die Ver-fasser, wie gesagt, hier und da, und nicht bloß gegen Dichter,viel zu nachsehend gewesen sind.
Wie wenig, z. E. erinnern sie bey des Hrn. Prof. Gott-scheds nöthigem Vorrathe zur Geschickte Vcr dcurscken dra-matischen- Dichtkunst;" und wie manches ist doch darinn, dasman ihm nothwendig aufdecken sollte.
Können Sie sich einbilden, daß der Mann, welcher dieHans Roscnblüts, die Percr Probsis und ^Hans Sachsens sowohl kennet, nur denjenigen nicht kennet, der doch bis itzt demdeutschen Theater die meiste Ehre gemacht hat; unsern JohannWias Schlegel 5 Unter dem Zahr 1747 führt er die Theatra-lischen Werke desselben an, und sagt: „Hier stehen 1. Canut,„2. der Gehcimnißvollc; die Trojancrinncn; 4. des Sopho-kles Elcktra; 6. die stumme Schönheit; K. die lange Weile."Die beyden letzter» stehen nicht darinn, sondern machen nebstdem Lustspiele, der Triumph 0er guten Frauen, welches ergar nicht anführet, einen besondern Band, welchen der VerfasserBeyträge zu Sem Dänischen Theater benennet hat.
Und wie viel andere Unterlassungssünden hat Hr. Gottschedbegangen, die ihm das Lob der Bibliothek sehr streitig machen,„daß er etwas so vollständiges geliefert habe, als man sonst,„bey Sammlungen von dieser Art, von der Bemühung eines„einzigen Mannes kaum erwarten könne." — Nicht einmal diedramatischen Werke seines Mylins hat er alle gekannt; dennden Unerträglichen vermissen wir gar, und von den Aerztenmuß er auch nicht gewußt haben, daß Mylius Verfasser davongewesen. Hat er es aber gewußt, und hat er ihn nur deswe-gen nicht genannt, weil er sich selbst nicht zu nennen für gutbefunden; warum nennt er denn den Verfasser der alten Jungfer?
Ich kenne sonst — und bin gar wohl damit zufrieden, —sehr wenig von unserm dramatischen Wüste; aber auch das we-
° Zn dem erste» Stücke des dritten Bandes, S. 82.