Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
57
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I. Theil. Drcyßigstcr Brief. Z7

der auf; da ivard aus Abend und Morgen der erste Tag. Erzchlle zwey volle Jahre. Run, sprach er, habe ich für die Sündezum voraus geküsst, crgrif das Schaf lind würgte cS.

»Lin Räuber findet leichtlich Mittel dc» kräftigsten Eyd zuvereiteln.

Die XXV. Fabel.Die Schafe, der Widder und der Löwe.

Tic Schafe waren einst i» den Ställen allein, denn die Hirtenhatten sich entfernt, und vergessen die Thüren hinter sich zu verschliefsen. Keines blieb in dem Stalle, denn sie gingen heraus auf demFelde Speise zu suchen. Sie hatten sich von dem Torfe nur wenigentfernt, da kam ein Löwe aus der Wüsten hergezogen, und eilctc siezn erreichen. Sie erblickten ihn, und riefen sich einander zu: Wennder Löwe brüllt, wer wird sich nicht fürchten? Kein Mittel warzur Errettung übrig. Sie sprachen also zum Widder, der sie an-führte: Gehe du dem Fürchterlichen entgegen. Berede ihn mit glatterZunge, das; er von uns abweiche. Der Widder zog von seinemHeere ab, trat näher und schmeichelte: Heil dir, König der Thiere!Du bist immerdar willkommen, und wer dich erblickt, der segnet direntgegen. Ha! brüllte der Löwe, bey dir und deinen Freundenwerde ich Seegen finden! Deine liebliche Reden sind vergeblich. Läßtsich ein König mit Worten abspeisen? Komm! dein Fleisch wird süffcrseyn, als dein Gruß.

Der macht sich zum Gespötte, der einen Tyrannen durchBeredsamreit zu gewinnen gedenkt.

Die eXXXXII. Fabel.Der stößige Ochs und sein Herr.

Ein Ochs verkannte seinen Herrn, und so oft ihn dieser vor denPflugschar spannte, stieß er um sich mit Macht. Der Herr ward böse,und verschnitt dem Muthwilligcn die Hörner. Nun wird er gcbändi-get seyn, sagte er zu seinen Nachbarn; ich habe ihm die Macht zuschaden geraubt. Tages darauf wollte er ihn vorspannen, und erbiß ihn mit seinen mörderischen Loderjähncn. Gut, sagte der AckcrS>mann, du solst auch diese verlieren, und schlug ihm die Zähne aus.Aber der Ochs ward dadurch nicht dcmüthigcr, denn den dritten Tag,als sich der Herr ihm näherte, stieß er ihn mit der Hüfte zu Boden,und uiishandcltc ihn jämmerlich. Das haben wir wohl gewußt,