II. Theil. Ein lind vierzigster Brief.
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„indem er mit einem Blicke das Ufer übersah, siel ihm ein Schiff ins„Gesicht, das auf dem Sande auf die Seite gelehnt lag. Die Ma>„sten waren zerbrochen, die Segel zerrissen, und der Kiel siack in ei-„ner Sandbank. Jetzo vergaß er seinen Entschluß zu sterben, und„Nenbegierde und Hofnung beflügelten seine'Füsse. Was für Schatze„fand er auf diesem unglücklichen Schiffe, das eben der Sturm, der sei-„nen Kahn und seine Hütte zerschlagen, an diesen Strand getrieben hatte!„Wie vergaß er zn seufzen, und neunte das Ungewittcr ein Mittel„seines Glücks, und den Himmel gütig und weise, der ihm den Sturm„gesandt hatte. Tausendfach war ihm sein Verlust ersetzt, und eben„der Sturm den er verwünschte, bereicherte ihn.
Welch ein abscheuliches Beyspiel! Abscheulich in allen mög-lichen Betrachtungen. — Der Held ist ein elender Fischer; unddoch spricht dieser elende Fischer, natürlich wie der Poet Dusch .Er schlägt die ungetreuen Wellen; er höhlt von den Ufern dcSTodes ein schlechtes Opfer. Welch eine Sprache für einen elen-den Fischer! Und was muß dieser Fischer sonst für ein Narrseyn! Der Sturmwind hat seine Hütte zerrissen; er klagt, ermurret; er ist seines Lebens müde. Aber doch, denkt er, eheich mich ersauffe, kann ich ja wohl noch eine Nacht gut schla-fen; er wirft sich auf einen mooßigtcn Felsen nieder, und einfester Schlaf nimmt ihn in die Arme. Gewiß dieser festeSchlaf eines Unglücklichen in der Verzweiflung, ist ein Mcisterzugdes Herrn Dusch! Lato schlief kurz zuvor, ehe er sich umbringenwollte, eben so fest; aber nicht eben so lange. Der Fischer ist eindoppelter Lato; der völlig angebrochene Tag öfnct erst seine schwe-ren Augcnlicder! Anstatt aber, daß er seinen Rausch der Verzweif-lung sollte ausgeschlaffcn haben, wird er noch einmal so wütend alser gestern war. Bey ihm hieß es nicht: la nuit porte ->v!s. Erist fest entschlossen sein Leben zu enden. — Und nun geben SieAcht; der Fischer des Herrn Dusch ist nicht bloß ein Narr,der es erst beschlafcn muß, ob er sich ersäufen soll, oder nicht:er ist das größte menschliche Ungeheuer, das je gewesen odererdichtet worden. Er kömmt an den Strand und entdeckt einverunglücktes Schiff; er entdeckt, daß vielleicht hundert anderedurch den Sturm hundertmal mehr verloren haben, als er selbst.Was hätte diese Entdeckung bey ihm wirken müssen, wenn ihm