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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
Ach, sprach er, mag dich das betrüben?
Belise, nur dein Tod ist schwer!
Kaiist du mich selbst nicht länger lieben,
Bedarf ich keiner Liebe mehr.Welchem von unsern neuesten zärtlichen Dichtern wurde dieseskleine Lied nicht Ehre machen? — O wahrhaftig, das schlechteBuch ist rar, in welches sich gar nichts gutes, auch nicht vonohngcfehr cingcschlichen hätte! —
Doch wieder auf den A.ogau zu kommen. Von seinen Lc-bcnsumständen haben die Herren Herausgeber nur wenig ent-decken können. Er war im Jahr 1664. gcbohrcn; er bekleidetedie Stelle eines Eanzlcyraths bey dem Herzoge zu Licgnitz undBricg, L.uVcwig dem vierten, und starb 1656. Sie erwähnenunter seinen Vorfahren des George von L.ogau auf Schlaupitz,eines der besten lateinischen Dichters in der ersten Hclflc dessechzehnten Jahrhunderts. Auch unter seinen Nachkommen hättensie einen Dichter, und zwar einen deutschen Dichter, finden kön-nen; nehmlich den Herrn Heinrich Wilhelm von L.ogan undAltcnvorf, welcher 1737 ein Poetisches Vergnügen heraus-gab. Sie werden ihn auch ohne Zweifel gekannt, aber esnicht für anständig gehalten haben, neben einem so grossenAhnen, poetischen Andenkens, einen Enkel zu nennen, der wei-ter nichts als ein Reimer ist.
K.og«u hatte Anfangs nur eine Sammlung von zwey hun-dert Sinngedichten herausgegeben, die, wie er selbst sagt, wohlaufgenommen worden. Die Herausgeber vermuthen nicht un-wahrscheinlich, daß dieses im Jahr 1638 müsse geschehen seyn.Sechzehn Jahr endlich darauf, trat die vollständige Sammlungans Licht, welche sie bey ihrer Ausgabe zum Grunde gelegthaben. — Und nun sehen Sie; ihre Vermuthung ist eingetrof-fen. Sie haben sie nicht von Wort zu Wort abdrucken las-sen; denn drey tausend fünfhundert und drey und fünfzig Sinn-gedichte können unmöglich alle gut, alle aufbehalten zu werdenwürdig seyn. Sie haben ihren Dichter auf sein Drittheil herab-gesetzt, und hören Sie doch, was sie dabey anmerken! „das„ist unter allen Nationen, sagen sie, immer ein sehr vor-trefflicher Dichter, von dessen Gedichten ein Dritthell gut ist." —