III. Theil. Rcnn und vierzigster Brief.
ren, lind ich mich bloß ihre gemeinschaftliche Bczichnng aufdas Ganze zu fassen, bestrebe. Zc mehr diese Theile alsdcnnsind, je genauer sie harmonircn; je vollkommncr der Gegen-stand ist: desto grösser wird mich mein Vergnügen darüber seyn;und der vollkommenste Gegenstand wird nothwendig auch dasgrößte Vergnügen in mir wirken. Und das ist der Fall, wenn ichmeine Gcdanb'cn von Gott in Empfindungen übergehen lasse.
Ich errege dem Verfasser keinen Wortstrcit. Denn cS istkein Wortstrcit mehr, wenn man zeigen kann, daß der Miß-brauch der Wörter auf wirkliche Irrthümer leitet. So sieht eres z. E. als einen grossen Vorzug seiner dritten Art überGott zu denken an, „daß, wofern wir daraufkamen, das was„wir denken, durch Worte auszudrücken, die Sprache zu wenige„nnd schwache Worte dazu haben würde." Und dieses kömmt dochbloß daher, weil wir alsdcnn nicht deutlich denken. Die Sprachekann alles ausdrücken, was wir deutlich denken; daß sie aberalle Nuancen der Empfindung sollte ausdrücken können, dasist eben so unmöglich, als es unnöthig seyn würde.
Doch dieser Irrthum ist bey ihm nur der Ucbcrgang zu ei-nem grösser». Hören Sie, was er weiter sagt: „Wofern man„im Staude wäre, aus der Reihe, und daß ich so sage, aus dem„Gcdrenge dieser schiicllfortgcsetztcu Gedanken, dieser Gedanke» von so„genauen Ncstimmungcii, einige mit .Kaltsiun herauszunehmen, uud sie„iu kurze Sätze zu bringen: was für neue Wahrheiten von Gott „würden oft darunter seyn! — Keine einzige neue Wahrheit!Die Wahrheit läßt sich nicht so in dem Taumel unsrer Em-pfindungen haschen! Zch verdenke es dem Verfasser sehr, daßEr sich bloß gegeben, so etwas auch nur vermuthen zu kön-nen. Er steht an der wahren Quelle, aus welcher alle fana-tische und enthusiastische Begriffe von Gott geflossen sind. Mitwenig deutlichen Zdccn von Gott und den göttlichen Vollkom-menheiten, setzt sich dcr Schwärmer hin, überläßt sich ganzscincn Empfindungen, nimmt die Lebhaftigkeit derselben fürDeutlichkeit dcr Bcgriffe, wagt cs, sic in Worte zu klcidcnnnd wird, — ein Iöshme, ein Pordagc. —
Jene erste kalte mcthaphvsischc Art über Gott zu denken,von welcher dcr Verfasser so verächtlich urtheilet, daß er unter
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