III. Theil. Sin und fünfzigster Brief. t!Z9
In allen findet sich viel poetische Sprache, lind die bencidcnS-würdigstc Leichtigkeit zu reimen; aber anch alle» mangelt derschone versteckte Plan, der auch die kleinste Ode des Pindarsund -Horacz zu einem so sonderbaren Ganzen macht. SeinFeuer ist, wenn ich so reden darf, ein kaltes Feuer, das miteiner Menge Zeichen der Ausrufung und Frage, blos in VieAugen leuchtet.
Es kommen aber noch zwey andere Gedichte vor, die meineAufmerksamkeit ungleich mehr an sich gezogen haben. Das Rlop-siocr'iscke Siegel ist auf beyden; und das läßt sich so leicht nir-gends verkennen. Non dem einen zwar, welches ein geistlichesLied" auf die Auferstehung des Erlösers ist, weiß ich auch nichtviel sonderliches zu sagen. Es ist, — wie des Herrn RlopstocksLieder alle sind; so voller Empfindung, daß man oft gar nichtsdabey empfindet. Aber das zweyte ist desto merkwürdiger. Essind Betrachtungen über die Allgegenrvarr Gottes, oder viel-mehr, des Dichters ausgedrückte Empfindungen über dieses grosseObject. Sie scheinen sich von selbst in symmetrische Zeilengeordnet zuhaben, die voller Wohlklang sind, ob sie schon keinbestimmtes Sylbcnmaaß haben. Zch muß eine Stelle darausanführen, um Ihnen einen deutlichern Bcgrif davon zu machen.Als du mit dem Tode gerungen,
Mit dem Tode!
Heftiger gebetet hattest!
Als dein Schweiß und dein Blut
Auf die Erde geronnen war;
In der ernsten Stunde
Thatest du jene grosse Wahrheit kuud ,
Die Wahrheit seyn wird,
So lange die Hülle der ewigen Seele
Staub ist!
Tu standest, und sprachestZu den Schlafenden:Willig ist eure Seele;Allein das Fleisch ist schwach.
° Stuck XVI.