Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
180
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180 Briefe, die nciicsic Litteratur betreffend.

dicnsic zu unterdrücke», niid ihre Bücher der Jugend aus den'n-den zu spielen, wenn man es ihnen nicht einmal gleich thut? Wennuns deutschen nicht so gar leicht Genüge geschahe, so wurde derHerr Prof. mit seiner lange erwarteten neuen Sprachlehre schwerlicheine andere Aufnahme erfahren haben, als ehemals ein gewisser Poetin Frankreich >"it seinem Heldengedichte. Weil aber Herr G. allesmit der Erwartung seiner Grammatik angefüllt hatte, so wurdenunsere alten wohlverdienten Sprachlehrer wenig gelesen, sondern diemeisten sparten ihren Appetit nach grammatikalischer Erkenntniß aufdas grosse Mahl, so er ihnen bereitete, und das ist wohl die Ursachedes grossen Beyfalles, womit die neue Sprachlehre aufgenommenworden. Was mag er aber in so lieber langer Zeit daran gcbauetund ausgefeilet haben! da doch noch itzo, nach so vielen gelehrtenErinnerungen so vieler Gönner und Freunde, wie in der an-dcrn Vorrede siehet, und nun nach so viel wicderhohllen Auflagen,gleichwohl noch so viel, ich mag wohl sagen, kindische Fehler darumsind? Herr Gottsched / schliesset er endlich, hätte daher viel bes-ser gethan, wenn er doch ein Sprachlehrer werden wollte, daß erdie ^öödir'crischen und Frischischen Grundsätze bloß in bequemereOrdnung gebracht hätte. Ich will damit nicht sagen, daß crs hätte thun sollen, denn meiner Meynung nach, mußte er gar keine Sprach-lehre schreiben: weil die grammatische Muse, nach so vielen feindse-ligen Angriffen, welche er in dem Baylischen Wörterbuch?, und sonstüberall, auf sie selbst, und auf ihre größten Günstlinge gethan hatte,ihm von je her, nicht anders, als gehäßig seyn kontc.

Was sagen Sie hierzu; vorausgesetzt, daß Herr 'Heinz einehrlicher Mann ist, der im geringsten nichts übertreibt? (WennSie es nicht voraussetzen wollen, so glauben Sie es so langeauf mein Wort, bis Sie Lust bekommen, sich selbst davon zuüberzeugen.) Wird es Zhncn noch wahrscheinlich seyn, daß ei-ner, ob er schon ein magrer Philosoph, und ein schlechter Dich-ter ist, dennoch wohl eine gute Sprachkunst schreiben könne?Oder gestehen Sie es nun bald, daß ein seichter Kopf nirgendserträglich ist?

Und Herr Professor Gottsched muß es selbst gefühlt haben,daß ihm dieser Gegner ein wenig zu sehr überlegen sey! Sie