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6 (1839)
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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.

mit diesem und keinem andern Autor abgeben wollen. DennAeibniiz kannte sich wirklich besser, als ihn -Huclius kannte;welches unter andern auch daraus zu ersehen, daß ihm diesermit aller Gewalt auch den Vilruvius aufdringen wollte, mitden: er sich aber abzugeben rund abschlug, weil er nicht hoffenkönne, etwas ausscrordcntlichcS dabey zu leisten. Ucbrigcnsmuß es ein wenig vcrdricsscn, daß Ä.cibnicz bey dieser Gelegen-heit nicht allein allzuklcin von sich selbst, (denn ein bescheidnerMann kann sich selbst so viel vergeben, als cr will,) sondernauch allzu klein von seiner Nation spricht: vmm 5-ttvor,tarnet!"! no^ue ingonium, nc?c>uo <ioetiinam mili! arrogem, Milizen-luv tiimon laiulein nli«junnc1<> n^ucl iv^uos eonkorvs eonkecutum.Lt «jiiiil nliucl ox^ectes a lZormano, e«/ ?ia^'o??i^oteF /»/« /n^»i /o//ttt^ o/<? Nuit wundere man sich

noch, wie es komme, daß die Franzosen einen deutschen Gelehr-ten so gering schätzen, wenn die besten deutschen Köpfe ihreLandcslcutc unter ihnen so erniedrigen, nur damit man ihnenHöflichkeit und Lebensart nicht absprechen könne. Denn dasbilde man sich ja nicht ein, daß diese aus Komplimenten zu-sammengesetzte Nation, auch das für Complimcnte halte, wasgewisscrmasscn zur Verkleinerung ihrer Nachbarn dienen kann.

Die drey folgenden Briefe hat ^.eibnirz bey Gelegenheit desHuctschcn Werkes von der Wahrheit der christlichen Religion,geschrieben, und sie enthalten sehr vortrcflichc Gedanken überden Gebrauch der Philologie und Critik.Die Critik, sagt er,die sich mit Prüfung der alten Handschriften, Münzen, nndZnscriptioncn beschäftiget, ist eine sehr nöthige Kunst, und zurFestsetzung der Wahrheit unsrer Religion, ganz unentbehrlich.Denn das glaube ich gewiß, gehet die Critik verloren, so istes auch mit den Schriften unsers Glaubens geschehen, undes ist nichts gründliches mehr übrig, woraus man einem Chi-ncscr oder Mohamctaner unsere Religion dcmonstriren könne.Denn gesetzt, man könnte die fabelhaften Historien von Theo-dorico Veroncnsi, wie sie bey uns die Ammen unter demNamen Dietrichs von Bern, den Kindern erzehlen, von denErzchlungen des Laßiodorus, eines zeitverwandten Schrift-stcllers, der bey diesem Könige Canzlcr war, nicht unterschei-