IV. Theil. Ein lind siebenzigstcr Brief.
„den; gesetzt, es käme die Zeit, da man mit den Türken zwei-felte, ob nicht Alexander der Grosse des Königs Salomon„oberster Feldherr gewesen sey; gesetzt, es wären uns, anstatt„des -Luvins und Tacilus weiter nichts als einige von den„zierlichen aber im Grunde abgcschmakten geheimen Nachrichten„von den Liebcshändcln grosser Männer, wie sie itzt geschrieben„werden, übrig; gesetzt, es kämen die fabelhaften Zeiten wieder,„dergleichen bey den Griechen vor dem -Hcrodotus waren:„würde nicht alle Gewißheit von geschehenen Dingen wegfallen?„Wir würden nicht einmal zeigen können, daß die Bücher der„heiligen Schrift nicht untergeschoben wären, noch viclwcnigcr,„daß sie göttlichen Ursprungs wären. Unter allen Hindernissen,„welche die Ausbreitung der christlichen Religion in den Mor-genländern findet, ist dieses, meiner Meinung nach, auch das„vornehmste, daß das dasigc Volk, weil es von der allgemeinen„Geschichte ganz und gar nichts weis, die historischen Beweise,„auf welche sich die christliche Religion stützet, nicht begreifen„kann. — Er giebt hierauf eine sehr sinnreiche, aber aus demvorhergehenden sehr natürlich flicsscndc Ursache an, warum zuAnfange des vorigen Jahrhunderts, die Critik so stark getrieben,und in den neuern Zeiten hingegen so sehr vcrnachlä'ßigct wor-den. „Die Eritik, sagt er, wenn ich die Wahrheit gestehen„soll, ward damals durch die theologischen Streitigkeiten gcnäh-„ret. Denn es ist kein Uebel in der Welt, das nicht etwas„gutes veranlassen sollte. Indem man nehmlich von dem Sinne„der Schrift, von der Uebereinstimmung der Alten, von echten„und untergeschobenen Büchern häufig streiten mußte, und nur„derjenige von den Kirchenscribcntcn aller Jahrhunderte richtig„urtheilen konnte, der sich in den übrigen Werken des Alter-thums gehörig umgesehen hatte: so durchsuchte man aufs gc-„naucstc alle Bibliotheken. Der König von England Jacobus„selbst, und andere von den vornehmsten Gliedern der Kirche„und des Staats, gaben sich mit dergleichen Streitigkeiten,„vielleicht ein wenig nur allzusehr ab. Als aber diese Strei-tigkeiten in Kriege ausbrachcn, und nach so viel vergossenem„Blute, die Klügern wohl sahen, daß mit alle dem Geschrey„nichts ausgerichtet werde, so bekamen, nach wiederhergestelltemLessiiigs Werke vi. ) Z