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6 (1839)
Entstehung
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213
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V. Theil, ein und achtjigsicr Sricf,

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bis in die achtzigsten Jahre. Und wie gut ist es einem Tragi-cns, wenn er das wilde Feuer, die jugendliche Fertigkeit ver-loren hat, die so oft Genie hcissen, und es so selten sind.Noch andern, heißt es weiter,scblt es an Aufmunterung;sie haben niemals eine gute Schauspiclcrgcscllschaft gesehen,und kennen die dramatische Dichtkunst blos aus den Aristoteles und Hedclin.

Das ist ohne Zweifel ein Hauptpunkt! Wir haben keinTheater. Wir haben keine Schauspieler. Wir haben keine Zu-hörer. Hören Sie, was ein neuer französischer Schriftstellers)von diesem Punkte der Aufmunterung sagt:Eigentlich zu rc-dcn, sagt er, giebt es ganz und gar keine öffentlichen Schau-spiele mehr. Was sind inisere Versammlungen in dem Schau-platze, auch an den allerzahlrcichstcn Tagen, gegen die Versamm-lungen des Volks zu Alhcn und zu Rom ? Die alten Büh-nen konnten an die achtzig tausend Bürger einnehmen. DieBühne des Scaurus war mit drey hundert und sechzig Säu-lcn, und mit drey tausend Statuen gczicrct. Wie viel Gc-walt aber eine grosse Menge von Zuschauern habe, das kannman überhaupt aus dem Eindrucke, den die Menschen aufeinander machen, und aus der Mittheilung der Leidenschaftenabnehmen, die man bey Rebellionen wahrnimmt. Za der,dessen Empfindungen, durch die grosse Anzahl derjenigen, welchedaran Theil nehmen, nicht höher steigen, muß irgend ein heim-liches Laster haben; es findet sich in seinem Lharaklcr etwasEinsidlcrisches, das mir nicht gcfält. Kann nun ein grosserZulauf von Menschen die Rührung der Zuschauer so sehr ver-mehren, welchen Einfluß muß er nicht auf die Verfasser, undauf die Schauspieler haben? Welcher Unterschied, zwischen heutoder morgen einmal, ein Paar Stunden, einige hundert Per-sonen, an einem finstern Orte zu unterhalten; und die Auf-merksamkeit eines ganzes Volkes, an seinen feierlichsten Tagenzu beschäftigen, im Besitz seiner prächtigsten Gebäude zu seyn,und diese Gebäude mit einer unzählbaren Menge umringt underfüllt zu scheu, deren Vergnügen oder Langeweile von unsern

(°) Diderot i» den Unterredungen über seine» ncnnrlichcn Lclm,