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6 (1839)
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Briefe, die ncncsic Litteratur betreffend.

Talenten abhängen soll? So redet ein Franzose! Undwelcher Sprung von dem Franzosen auf den Deutschen ! DerFranzose hat doch wenigstens noch eine Bühne; da der Deut-sche kaum Buden hat. Die Bühne des Franzosen ist doch we-nigstens das Vergnügen einer ganzen grossen Hauptstadt; da inden Hauptstädten des Deutschen , die Budc der Spott des Pö-bels ist. Der Franzose kann sich doch wenigstens rühmen, oftseinen Monarchen, einen ganzen prächtigen Hof, die größtenund würdigsten Männer des Reichs, die feinste Welt zu unter-halten; da der Deutsche sehr zufrieden seyn mnß, wenn ihmein Paar Dutzend ehrliche Privatleute, die sich schüchtern nachder Budc geschlichen, zuhören wollen.

Doch lassen Sie uns recht aufrichtig seyn. Daß es mit demdeutschen Drama noch so gar elend ausstehet, ist vielleicht nichteinzig und allein die Schuld der Grossen, die es an ihremSchutze, an ihrer Unterstützung mangeln lassen. Die Grossengeben sich nicht gern mit Dingen ab, bey welchen sie wenigoder gar keinen glücklichen Fortgang voraussehen. Und wennsie unsere Schauspieler betrachten, was können Ihnen diese ver-sprechen? Leute ohne Erziehung, ohne Welt, ohne Talente; einMeister Schneider, ein Ding, das noch vor ein paar MonatenWäschcrmädchcn war zc. Was können die Grossen an solchenLeuten erblicken, das ihnen im geringsten ähnlich wäre, und sieauffrischen könnte, diese ihre Repräsentant auf der Bühne, ineinen bessern und geachteter» Stand zu setzen?

Ich verliere mich in diesen allgemeinen Betrachtungen, dieuns noch sobald keine Aenderung hoffen lassen. Das ersteTrauerspiel des Hrn. IVcise heißt: L-iV»ar0 Oer Dritte.

Uivuaro öcr Zweite war gezwungen worden, sich von derRegierung los zu sage», und es geschehen zu lassen, daß sieauf seinen Sohn, iLSnarö den Dritten übergetragen wurde,während dessen Minderjährigkeit seine Mutter Isabclla, mit ih-rem Lieblinge XNorlimcr freye Hand zu haben hosten, und sieeine Zeitlang auch wirklich hatten. Der abgesetzte König wardaus ciuem Gefängnisse ins andere geschleppt; und ich habe fol-genden Umstand bey dem Rapin nie ohne die größte Rührunglesen können.Als ihn die Ritter XNaltraves und Gourna>-,