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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
„lind mit einer Action, die allen Anwesenden Thränen auspreßte:„Act), als ich dich Hieher schickte, hatte ich rvohl geglaubt,„daß diese Züssc dich zum Tode trügen!" Auch das warWitz, und noch dazu Witz einer Bäuerin; aber die Umständemachten ihn unvermeidlich. Und folglich auch muß man dieEntschuldigung der witzigen Ausdrücke dcS Schmerzes und derBetrübniß nicht darin» suchen, daß die Person, welche sie sagt,eine vornehme, wohl erzogene, verständige und auch sonst witzigePerson sey; denn die Leidenschaften machen alle Menschen wie-der gleich: sondern darin», daß wahrscheinlicher Weise ein jederMensch ohne Unterschied, in den nehmlichen Umständen dasnehmliche sagen würde. Den Gedanken der Bäuerin hätte eineKönigin haben können, und habe» müssen: so wie das, wasdort der König sagt, auch ein Bauer hätte sagen können, undohne Zweifel würde gesagt haben.
Aber ich komme vo» unserm Eduard ab. Sie wissen seingrausames Ende. Er wollte vor Betrübniß und Kummernicht bald genug sterben. Seine Wächter erhielten also Befehl,Hand anzulegen. Sie überfielen ihn, und steckten ihm eineRöhre von Horn in den Leib, durch welche sie ein glücndesEise» sticssc», das ihm das Eiugcwcide verbrenne» mußte. Erstarb uutcr de» cmsctzlichstc» Schmerzen; und sein Sohn wardüberredet, daß er eines natürlichen Todes gestorben sey.
Der Bruder dieses Unglückliche», uud der Oheim des jun-gen Königes, LLdmund Graf von Rcnt, hatte an der Ver-änderung der Regierung nicht geringen Antheil gchabt. Erhatte sich von den Kunstgriffen der Zsabclla hintergehen lassen,und erkannte es zu spät, daß er seiner brüderlichen Liebe, zumBesten einer Buhlcrin, und nicht zum Besten seines Vaterlan-des, vergessen habe. Seine Grosmuth erlaubte ihm nicht, sichlange zu verstelle». Er ließ es Isabellen und ihrem TNorri-mcr gar bald merke», wie übel er mit ihrer Aufführung zufrie-den sey; und da sei» Verhalte» soiist unsträflich war, so konn-te» ihm diese nicht anders als mit List bcykommcn. Sie liessenihm nehmlich durch Personen, die er für seine Freunde hielt, aufeine geschickte Art zu verstehen geben, daß sein Bruder Lduardnoch am Leben sey, uud daß man seinen Tod aus keiner au-