Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
218
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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.

Lokestev zu dem Grafen von Aent.Ja Freund, dieß ist der Dank, den man am Hofe giebt,Wo man den Edeln haßt, und den Ncrräthcr liebt!Ich, der der Königin ein Heer nach Suffolk brachte,Mich bey der Welt verhaßt, und sie gefürchtet machte,Die oft durch meinen Rath, stclS durch mein Schwcrd gekriegt,Durch jenen Ruhm erwarb, durch dieses oft gesiegt;Ich, der au sie zuletzt dc» König selbst verrathen,So sehr sein Elend sprach und Freunde für ihn baten:Ich werd itzt kaum gehört, und niemals mehr befragt,lind war ich ohne dich, so wär ich schon verjagt.Doch dieser schöne Anfang zeigt nur, wie edel die Spracheunsers Dichters seyn könnte, wenn er sich überall die gehörigeMühe gegeben hätte. Er hat sich leider ein wenig zu oft ver-nachlaßigct, und dadurch selbst seinen Charakteren und Situa-tionen den gröstcn Schaden gethan. Charaktere und Situatio-nen sind die Contours des Gemähldes; die Sprache ist die Co-loriic; und man bleibt ohne diese nur immer die Hclfte voneinem Mahler, die Hclfte von einem Dichter.

Ich will Sie aber dadurch nicht abgeschreckt haben! So wieder Anfang ist, so werden Sie noch unzählichc Stellen finden.Besonders in den Scenen, die LLdmunS mit dem jungen Kö-nige, und mit dcr Iiabclla hat. Was kann, einige Kleinigkei-ten ausgenommen, stärker seyn, als folgende Stelle? LLvmunShat dcr Königin bittere Wahrheiten in Gegenwart ihres Soh-ncs hören lassen; und sie versetzt: Er habe eine andere Sprachegeführt,

so lang er noch geglaubt,

Daß er für sich allein nur Englands Thron geraubt.

tLdmund-

Rein; sprich, so lang er glaubte,Daß nicht die Königin für Mortimcrn ihn raubte;So lang er noch geglaubt, es stritte seine Hand

Für Freyheit, und Gesetz, nnd Prinz und Vaterland;So lang er noch geglaubt, daß er dcr Brillen Rechte,Die Schottland an sich riß, durch seinen Mull) verfächte;So lang er noch geglaubt, daß Englands Ruh und Glück