VI. Theil. Hundert und zweyter Brief. 223
wollte: so könnte ich leicht empfindlich werden. Und das wäreein Sieg, den ich nicht gern einem Gegner über mich verstattenwollte. — Was Herr Basedow ans dem Titel wert'würdigcBeschuldigungen nennt, hcisscn einige Seiten weiter, offenbarfalsche, grausame, bis zu einer seltnen Grausamkeit getrie-bene Beschuldigungen. Meine Eritik ist hart, bitter, lieblos,unbesonnen; und zwar so lieblos und so unbesonnen, daßman ohne Traurigkeit an ihre Existenz >zu unsern Feitennicht denken kann. Sie ist ein Phänomenon, dessen Wirk-lichkeit man ohne einigen Beweis auf ein blosses IVort fastnicht glauben würde- Zch besitze eine schamlose Dreistigkeit.Zch verleumde. Zch habe abscheuliche Absichten. Ich habedas schwärzeste Laster begangen. Zch habe einen unglückli-chen Lharakrcr. Zch verdiene den Abscheu der IVelt. Erwünschet aus Menschenliebe, daß ich mich den Augen derU?elr verbergen ksnne.
Nun da! So einen Freund haben Sie! — Wie beredt istdie Menschenliebe des Herrn Basedow! Welch ein Spiegel hältsie mir vor! Er stehet hinter mir, und zeiget mir ein Unge-heuer darinn. Zch erschrecke, und sehe mich um, welcher vonuns beyden das Ungeheuer ist. Diese Bewegung ist natürlich.
Könnte man Härtcrc Dinge von mir sage», wenn ich michauch des Hochvcrraths schuldig gemacht hätte? Wenn ich auchden Himmel gelästert hätte? Ich habe das schwärzeste Lasterbegangen. Ich habe einen unglücklichen Charakter. Ichverdiene den Abscheu der IVelt. Wer ist denn die Majestät,die ich beleidiget habe? „Alle Kenner, stößt Herr Basedowin die Trommete, „alle Kenner der itzigen Gelehrsamkeit der„Teutschen, wissen die Verdienste des Herrn Hofprcdigcr Lramers.„Der Verfasser der nach dem Bossuetschen Muster fortgesetzten„Weltgeschichte; der neueste und sorgfältigste Ausleger des Brie-„fes an die Hebräer; der geistliche Redner, der in unsern Tagen„kaum so viel Predigten schreibe» kann, als die Welt von ihm zu„lesen verlangt; der Ucbersctzer des Lhr^sostomus, welcher sci-„nem Originale gleicht, das er durch viele Anmerkungen und„Abhandlungen bereichert hat; derjenige, dem wir die beste„Uebersetzung der Davidischcn Psalmen in gcbundncr Schreib-