Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
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229
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VI. Theil. Hundert und vierter Brief.

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Vergib, vergib, o Natcr, ihnen,

Sie wissen, Herr, nicht was sie thun.

Aus der Ode auf den Geburtstag des Rönigs.

Da sie dem Throne nahe kamen,

Ertont auf einmal ihr Gesang,

Und alle nennten Friedrichs Namen,

Und alle nennten ihn voll Dank:

Uns hat Jehovah sein Leben,

In einer der gnädigsten Stunden gegeben,

Fleug unser Dank, fleug mit umher,

Er, der ihn gab, gedenke Seiner!

Wer liebt nicht seine Beherrscher? doch keiner

Wird billiger geliebt, als Er.Können Sie sich des Lachens enthalten? Diese Strophen sollenbeweisen, daß Herr Lramer ein Poet ist, nnd ich ein Verleum-der bin? Bald bewiesen sie, daß ich ein Schmeichler wäre.Denn wenn nicht in sehr vielen Lramcrschen Oden, sehr viele,viel schönere Strophen wären: so wäre ich es wirklich, und ichwürde mir es nimmermehr vergeben, daß ich einen solchenSänger den vortrefflichsten Versificatenr genennct hätte. Zndiesen Strophen ist er kaum ein leidlicher. G.

XX. Den 1Z. May. 1760.

Hundert und vierter Brief.

Ich habe geurthcilct:Viele Worte machen; einen kleinenGedanken durch wcitschwciffciide Redensarten aufschwellen; laby-rinthischc Perioden flechten, bey welchen man dreymal Athemhohlen muß, ehe man einen ganzen Sinn fassen kann: Dassey überhaupt die vorzügliche Geschicklichkcit desjenigen von denMitarbeitern an dem Nordischen Aufseher, der die meistenStücke geschrieben zu haben scheine." Soll ich mein Urtheilwiderrufen, weil es Herr Basedow für eine Verläumdung aus-schrcyct? Es ist wahr, ich habe es mit keinen Beyspielen bestä-tiget. Aber mit wie vielen will er es noch bestätiget haben?Mit unzähligen? Ich darf das Buch nur auffallen lassen,wo es auffallen will. Aber, wer wird mir abschreiben hel-fen? Und o des armen Papiers, das ich so verschwenden muß!