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Briefe, die neueste Litteratur betreffend.
„den, da er es ihm despotisch absprach, und nichts als die„Vollkommenheit eines Ncrsiffcatcurs lassen wollte. — Es istzn bekannt? Was ist denn zu bekannt? Daß in den Lramer-schcn Oden, (weil es doch mit aller Gewalt Oden hcisscn sol-len) sich Genie zeiget? Das habe ich nie geleugnet. Aber Ge-nie eines Ncrsistcatcurs, und nicht Genie cincs Poeten. Diesesspreche ihm ab; nicht jenes. Oder ich müßte glauben, daß mander Vortrefflichste in seiner Art seyn könne, ohne Genie zuhaben. — Hören Sie doch den guten Basedow noch weiter:„Ob desselben drey Odciy im ersten Theile des Nordischen Auf-sehers, Anlaß geben, ein solches Urtheil zu fällen, werden die„Leser aus folgenden Strophen sehen. — Aus einzeln Strophenwill Herr Bascoorv beweisen, daß Gramer ein poetisches Geniehabe? Und wenn diese Strophen auch die vollkommensten vonder Welt wären; so könnten sie das nicht beweisen. Hiersind sie.
Aus der Ode über die Geburt Christi.Erst wird er nicderknicn und streitenDer Löw aus Juda. EwigkeitenVoll Ehre sind der Preis des Siegs!Er leidet, Gott uns zu »erfühlten,Taun werden ihm die Völker dienen,Wir sind die Beule feines Kriegs.Nun werden wir wieder den Himmel bewohnen,Uns, wenn wir nur kämpfen, erwarten auch Kronen!Wie herrlich ist der Sieger Lohn?O kämpfet, o kämpfet, uns krönet der Sohn.
Aus der Ode über das Leiden Jesu.Ich, ewig hab ich es begehret,Ich habe, Vater, dich verkläret,Verklären will ich dich noch mehr.Ich dälte tief in Qual versunken,Schon mehr als einen Kelch getrunken,Zlch wie ist deine Hand so schwer?Allein ich will sie ganz vcrsühucn,Laß ste in diesen Wunden ruhn.