VI. Theil. Hundert und vierter Brief. 231
„nach den von Natur sehr verschiedenen Charakteren der Kinder, einige„der Züchtigung mehr, und andere derselben weniger bedürfen.
Lder: „So oft ich »nch zurück erinnere, wie sorgfältig mein Va>„ter schon in meiner frühsten Jugend den Geist der Frömmigkeit und„eine lebhafte Neigung, aus Gehorsam und Liebe gegen das höchste„Wesen, tugendhaft zu seyn, in meine Seele zu pflanzen suchte, und„wenn mir mein Gedächtniß sagt, vor welchen Ausschweifungen, zu„denen ich, gleich andern, starke Rcitzungcn und Versuchungen gehabt„habe, diese Neigung mich bewahret hat: so fühle ich mich allezeit„von den zärtlichsten Cmpfinduugcn der Dankbarkeit durchdrungen, ob„ich sie gleich dnrch nichts beweisen kann, als nur dadurch, daß ich„das Andenken seiner Gesinnungen erhalte, und durch sein Beyspiel„andere Vater anfmuntcre, Kinder, die sie glücklich zn machen wün-schen, auf eine ähnliche Weise zu erziehen.
Wie nun? — Welcher Schwall von Worten! WelcheTheuerung an Gedanken! Gedanken? Daß man der schändli-chen Trunkenheit stenrcn müsse; daß man die Rinder auchmanchmal züchtigen müsse :c- Kann man abgcdroschncrc War-heitcn mit aufgeb lasen crn Backen predigen? — Mit diesen vierPerioden fangen sich vier verschiedene Stücke an. Und wennich Ihnen vcrsichre, daß sich dreyßig andere nicht viel erträgli-cher anfangen; daß in allen Mittel und Ende dem Anfangevollkommen gemäß sind; daß der Verfasser sehr oft mitten inseiner Materie noch weit schleppender, langweiliger, verworrenerwird: werden Sie mir auf mein Wort glauben? Nicht? Ichbegehre es auch nicht. Aber ihr Athem soll es empfinden. Lc?scn Sie; nehmen Sie dabey alle ihre Gedanken zusammen; undsagen Sie mir am Ende, was Sie gelesen haben.
„Da sich, hebt das dreißigste Stück an, in unsern Zeiten die„Bestreitung, und Verachtung der Religion so weit ausbreitet, daß„sie auch die Gespräche des Umganges vergiftet; so ist cS für dicjeni-„gen, welche sich nach ihren äußerlichen Umständen in die Gesellschaf-ten der grössern Welt cingcflochten sehen, nicht genug, mit den„Wahrheiten ihres Glaubens bekannt zu seyn, und die Gründe einzu-gehen, die einen vernünftigen Beyfall wirken. Wer Anfälle zu be-fürchten hat, der muß seine Feinde; er muß ihre Stärke, ihre Waffe»,„und die Art, wie sie streiten, kennen, damit er sich zur Zeit des