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VI. Theil. Hundert lind siebender Brief. 246
sprochene bewiesen habe. ^ini,I,oia c»o,,it !»st!t»!, currcnte rotaurecus ex!t.
Ohne Religion kann keine Recktschaffenheit seyn! diesengrossen Satz wollte Herr Lramcr beweisen, um alle Gegnerder Religion, wo nicht auf einmal in die Enge zu treiben, dochwenigstens so zu brandmarken, daß sich keiner seiner Entfernung'von der Religion mehr öffentlich rühmen dürfe. Der Borsatz warvortrefflich, und eines eifrigen GottcSgclchrlc» würdig. Schadenur, daß sich die Wahrheit nicht immer nach unsern gutenAbsichten bequemen will. Nicht will? O sie wird müssen; wirverstehen uns aufs beweisen. „Denn, sagt Herr Cramer, ein„Mensch, welcher sich rühmet, daß er keine Pflicht der Nccht-„schaffenhcit vernachläßige, ob er sich gleich von demjenigen bc-„ freyt achtet, was man unter dem Namen der Frömmigkeit„begreift, ist — ein L.ügncr, muß ich sagen, wenn ich nicht„strenge, sondern nur gerecht urtheilen will; weil er selbst gc-„stehcl, kein rechtschaffener Mann gegen Gott zu seyn."Da steht der Beweis; und er ist noch dazu schön gesagt. Nunwill Herr Lramcr weiter gehen. Aber indem überlegt er seinenBeweis noch einmal: „Ein Rechtschaffener sucht alle Pflichten„zu erfüllen, auch die Pflichten der Religion; nun sucht ein„Mann ohne alle Religion diese nicht zu erfüllen, «".-^«i —„Denn er hält sie für keine Pflichten:" fällt ibm ein, ehe ersein IZi'K'o ausdcnkt. „Er hält sie für keine? das ist etwas„anders. So fällt mein Beweis in die Brüche. Ich striche„ihn gern ans, wenn ich nicht alles ausstrcichcn müßte. Zch„muß sehen, wie ich mir helfe." — Geschwind schlägt er alsodie Volte, und schiebt uns für einen Mann ohne alle Religion,einen Ncligionsspöttcr, einen Dummkopf unter, der über Keh-ren spottet, die er niemals untersucht hat. — „Und so einer„kann doch kein rechtschaffner Maun seyn? — Kein Menschwird ihn dafür erkennen. — „Kein Mensch? Ja, nun habe„ich zu wenig bewiesen. Vorhin zu viel, izt zu wenig: wie„werde ich es noch machen, daß ich mich mit meinem frommen„Parodoro durchbringc?" — So denkt er, und schleicht sichstillschweigend aus dem Parodoro in die angrenzende Wahrheit.Anstatt zu beweisen, daß ohne Religion keine Rcchtschaffcnhcit