Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
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255
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VI. Theil. Hundert und neunter Brief.

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sehr einen Einfluß auf den Charakter eines ehrlichen Mannes,eines ruhigen und wohlthätigen Bürgers haben konnte. Unddieses thut er, nicht um den Fclir zu grösser» Geheimnissenvorzubereiten, sondern blos um von ihm als Richter, bürgerlicheGerechtigkeit zu erlangen. Kurz, es ist mir unbegreiflich, wieHerr Lramcr in dieser Rede seine Methode hat finden können.Hätte er unterdessen nur einige Zeilen weiter gelesen; so wurde ergerade das Gegentheil derselben, auch hier gesunden haben. Nachetlichen Tagen aber, fährt der Geschichtschreiber fort, kam Felixmit seinem Ivcibe Dnisilla, die eine Iüdin war, und fodcrtPaulum, und hört ihn von dem Glauben an Christo, Da aberPaulus redet von der Gerechtigkeit, und von der Rcuschhcir,und von dem zukünftigen Gerichte, crschrack Felix und anr-roortcte: Gehe hinauf diesmal, rocnn ich gelegene Zeit habe,rvill ich dich her lassen rufen. Diese Stelle ist höchst merk-würdig. Felix und seine Gemahlin hören den Apostel von demGlauben an Christo, von den unbegreiflichsten Geheimnissen un-srer Religion. Aber nicht über diese unbegrcislichc Geheimnisseerschrackcu sie; nicht diese unbcgrcislichc Geheimnisse hatten Schuld,daß sie nicht Christen wurden: sondern das strenge und tugend-hafte Leben, auf welches der Apostel zugleich mit drang, dasschreckte sie ab.

Aber ich eile, auch noch ein Wort von der Schutzrcdc desPaulus vor dem Könige Agrippa , zu sagen. Ich werde hierrecht sehr auf meiner Hut seyn müssen, daß mir nicht ctw.ishartes gegen den Herrn Lramer cntfchrct. Seine ganze Theo-logie mußte ihn verlassen haben, als er schreiben konnte,Pau-lus habe Christum dem Agrippa , zuerst nicht als einen Ver-söhner, der für die Menschen eine vollkommene Gnugthuunggeleistet hatte, sondern als den Lehrer des menschlichen Ge-schlechts bekannt gemacht, als den, der verkündigen sollteein Al'cht dem Volke Israel und den -Heiden." Das ist zuarg! Hören Sie nur. Agrippa war ein Jude; also ein Mann,der mit dem Apostel in dem Begriffe von dem Mcßias übcrcinkam; also ein Mann, dem er nicht erst beweisen durste, daßGott durch die Propheten einen Mcßias versprochen hahc; son-dern den er blos überführen mußte, daß Jesus der versprochene