368 Vorreden zu Didcrots Theater.
tauschenden Bildern füllte ich sein Auge, und wandte ihn gegen dievermischten Heerden, gegen die Hüter des sämtlichen Beuteviehs.Welch ein Metzeln! Alles hieb er um sich in Stücke. Bald glaubteer, beide Atridcu mit eigner Hand zu morden; bald gegen einen andernHeerführer zu wüthen. Tenn ich rcitzle den Wahnwitzigen, und ließdie grausamste der Erynncn gegen den Tobenden los.
Das Theater des Herrn Diderot ,
aus dem Französischen übersetzt.
Vorrede des Uebersetzers,zur ersten Ausgabe von 1760.
Dieses Theater des Herrn Diderot , eines von den vornehm-sten Verfassern der berufenen Encyklopädie, bestehet aus zweyStücken, die er als Beyspiele einer neuen Gattung ausgearbei-tet, und mit seinen Gedanken sowohl über diese neue Gattung,als über andere wichtige Punkte der dramatischen Poesie, undaller ihr untergeordneten Künste, der Declamation, der Panto-mime, des Tanzes begleitet hat.
Kenner werden in jenen weder Genie noch Geschmack ver-missen; und in diesen überall den denkenden Kopf spüren, derdie alten Wege weiter bahnet, und neue Pfade durch unbekannteGegenden zeichnet.
Ich möchte wohl sagen, daß sich, nach dem Aristoteles, keinphilosophischerer Geist mit dem Theater abgegeben hat, als Er.
Daher sieht er auch die Bühne seiner Nation bey weitemauf der Stufe der Vollkommenheit nicht, auf welcher sie unteruns die schaalcn Köpfe erblicken, an deren Spitze der Prof.Gottsched ist. Er gestehet, daß ihre Dichter und Schauspielernoch weit von der Natur und Wahrheit entfernet sind; daßbeider ihre Talente, guten Theils, auf kleine Anständigkeiten, aufhandwerksmäßigen Zwang, auf kalte Etiquette hinauslaufen :c.
Selten genesen wir eher von der verächtlichen Nachahmunggewisser französischen Muster, als bis der Franzose selbst dieseMuster zu verwerfen anfängt. Aber oft auch dann noch nicht.