Vorreden ui Titcrois Zhc.rtcr.
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Es wird also darauf ankommen, ob der Mann, dem nichtsangelegener ist, als das Genie in seine alte Rechte wieder ein-zusetzen, ans welchen es die mißverstandene Knust vcrdrcngct;ob der Mann, der es zugestehet, daß das Theater weit stärke-rer Eindrücke fähig ist, als man von den berühmtesten Meister-stücken eines Corneille und Racine rühmen kann; ob dieserMann bey uns mehr Gehör findet, als er bey seinen Lands-lcutcn gefunden hat.
Wenigstens muß es geschehen, wenn auch wir einst zu dengesitteten Völkern gehören wollen, deren jedes seine Bühne hatte.
Und ich will nicht bergen, daß ich mich einzig in solcherHofnung der Übersetzung dieses Werks unterzogen habe.
Vorrede des Uebersetzers,zu dieser zweyten Ausgabe. 1781.
Ich bin ersucht worden, dieser Uebcrsczung öfscutlich meinenNamen zu geben.
Da es nun vorlängst unbekannt zu seyn aufgeboret hat, daßich wirklich der Verfasser derselben bin; da ich mich des Fleißes,den ich darauf gewandt habe, und des Nutzens, den ich darausgezogen, noch immer mit Vergnügen erinnere: so sehe ich nicht,warum ich mich einer Anfoderung weigern sollte, die mir Ge-legenheit giebt, meine Dankbarkeit einem Mann zu bezeugen,der an der Bildung meines Geschmacks so großen Antheil hat.
Denn es mag mit diesem auch beschaffen seyn, wie es will:so bin ich mir doch zuwohl bewußt, daß er, ohne DivcrotsMuster und Lehren, eine ganz andere Nichtung würde bekom-men haben. Vielleicht eine eigenere: aber doch schwerlich eine,mit der am Ende mein Verstand zufriedener gewesen wäre.
DiVcrot scheint überhaupt auf das deutsche Theater weitmehr Einfluß gehabt zu haben, als auf das Theater seines ei-genen Volks. Auch war die Veränderung, die er auf diesemhervorbringen wollte, in der That weit schwerer zu bewirken,als das Gute, welches er jenem nebenher vcrschaftc. Die Fran-zösischen Stücke, welche auf unserm Theater gespielt wurden,stellten doch nur lauter fremde Sitte» vor: lind fremde Sitten,Lessings Werke VI. 24