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Laokoou.
lcblc in der verächtlichsten Armuth, c Und Pvrcicus, dcr Bar-bicrstiibcn, schmutzige Wcrkstättc, Esel nnd Küchcnkräutcr, mitallem den Flcissc eines niederländischen Künstlers mahlte, alsob dergleichen Dinge in der Natur so viel Ncitz hätten, undso selten zu erblicken mären, bekam den Zunamen des Rhv-parographcn,des Kothmahlcrs; obgleich dcr wollüstige Reicheseine Wcrkc mit Gold aufwog, um ihrcr Nichtigkeit auch durchdiesen eingebildeten Werth zu Hülfe zu kommen.
Die Obrigkeit selbst hielt es ihrcr Aufmerksamkeit nicht fürunwürdig, den Künstler mit Gewalt in seiner wahren Sphärezu erhalten. Das Gesetz dcr Thcbancr, welches ihm die Nach-ahmung ins Schöncrc bcfahl, und die Nachahmung inS Häß-lichcrc bey Strafe verboth, ist bekannt. Es war kein Gesetzwider den Stümper, wofür es gcmciniglich, und sclbst vomJunius, « gchaltcn wird. Es verdammte die griechischen Ghezzi;den unwürdigen Kunstgriff, die Achnlichkcit durch Uebertreibungder häßlichern Theile des Urbildes zu erreichen; mit einemWorte, die Carricatur.
Aus eben dem Geiste des Schönen war auch das Gesetzdcr Hcllanodikcn geflossen. Zeder Olympische Sieger erhielt eineStatue; abcr nur dcm dreymaligen Sieger, ward eine Zkoni-sche gcsctzct./ Der mittelmäßigen Portraits sollten unter denKunstwerken nicht zu viel wcrdcn. Denn obschon auch dasPortrait ein Ideal zuläßt, so muß doch die Achnlichkcit darüberherrschen; es ist das Ideal eines gewissen Menschen, nicht dasIdeal eines Menschen überhaupt.
Wir lachen, wenn wir hören, daß bey den Alten auch dieKünste bürgerlichen Gesetzen untcrworffcn gewesen. Abcr wirhaben nicht immer Recht, wenn wir lachen. Unstreitig müssensich die Gesetze über die Wissenschaften keine Gewalt anmaasscn;denn dcr Endzweck dcr Wissenschaften ist Wahrheit. Wahrheitist dcr Scclc nothwendig; und es wird Tyraimcy, ihr in Be-friedigung dieses wcscntlichcii Bedürfnisses den geringsten Zwang
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<?) ve piclur» vol. liu. II. c»i>. IV. §. t.
/) Minw-z lid. XXXIV. lvcl. 9.