Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
381
Einzelbild herunterladen
 

Ueber die Grenzen der Mahlerey und Poesie.

Wer wird dich mahle» wollen, da dich niemand sehenwill," sagt ein alter Epigrammallst" über einen höchst nngc,staltencn Menschen. Mancher neuere Künstler würde sagen:Sey so ungcstaltcn, wie möglich; ich will dich doch mahlen.Mag dich schon niemand gern sehen: so soll man doch meinGemählde gern sehen; nicht in so fern es dich vorstellt, sondernin so fern es ein Beweis meiner Kunst ist, die ein solchesScheusal so ähnlich nachzubilden weis."

Freylich ist der Hang zu dieser üppigen Prahlcrcy mit leidi-gen Geschicklichkcitcn, die durch den Werth ihrer Gegenständenicht geadelt werden, zu natürlich, als daß nicht auch die Grie-chen ihren Pauson, ihren Pyrcicus sollten gehabt haben. Siehatten sie; aber sie liessen ihnen strenge Gerechtigkeit wicdcr-fahrcn. Pauson, der sich noch unter dem Schönen der ge-meinen Natur hielt, dessen niedriger Geschmack das Fehlerhafte undHäßliche an der menschlichen Bildung am liebsten ausdrückte,^

a) Antiochus. (/VnlUoiox. lili. ll. o»i>. 4.) Harduin übcr den Plinius (N>>. 33. seoi. 36. r>> i». 698.) legt dieses Epigramm einem Piso bey. Esfindet sich aber imler allen griechischen Evigrammalistcn keiner dieses Namens.

5) Inna.cn Zcntc», bcfichlt daher Aristoteles, ninsi man seine Gemäbldcnicht zeigen, um ihre Einbildungskraft, so viel möglich, von allen Bildcr»des Häßlichen rein zu ballen. (i>oiu. Ii>>. Vill. e»>>. ö. i>. 626. Lilii. c?»nri»s?.)Herr Bodcn will zwar in diescr Stcllc anstatt Panson, Pausanias grlcscnwissen, weil von dicscm bckannt scv, daß cr unzüchligc Figurcn gemahlt habc.(>>e Umlii-il poelickc, Lommenl. l. p. XNl.) Als ob man es erst von einemphilosophischen Gesetzgeber lcrncn müßte, die Jugend von dergleichen Rcitzun-gc» der Wollust z» entfernen. Er hätte die bekannte Stelle in der Dichtkunst(oi,n. ji.) nur in Bcrglcichung ziehen dürfe», um seine Vermuthung zurückzu behalten. Es giebt Ausleger (z. E. Kühn, über dcn Aelian Vur. Iiitt.!»,. IV. csp. 3.) welche den Unterschied, den Aristoteles daselbst zwischendem Polvgnotns, Dionvsius und Panso»angiebt, darin» setze», daß Polvgno-tus Eöttcr und Helden, Dionvsius Menschen, und Pausen Thiere gemahlthabe. Sie mahlten allesamt menschliche Figuren; und daß Pauso» einmalei» Pferd mabltc, beweiset noch nicht, daß cr ein Thicrmahlcr gewesen, wo-für ihn Hr. Boden hält. Ihren Nang bestimmten die Grade des Schone»,die sie ihren menschlichen Figuren gaben, und Dionvsius konnte nur deswegennichts als Menschen mahlen, und hieß nur darum vor allen ander» der An.thropograpl', weil er der Natur zu sklavisch folgte, nnd sich nicht bis zumZdcal erheben konnte, nnter welchem Götter nnd Helden zu mahlen, ein Rc-ligionsvcrbrcchen gcwcscn wäre.