384
Laokoc.ii.
wenn cS sich mit der Schönheit nicht verträgt, ihr gänzlichweichen, nnd wenn es sich mit ihr verträgt, ihr wenigstens un-tergeordnet seyn müssen.
Zch will bey dem Ausdrucke stehen bleiben. Es giebt Lei-denschaften und Grade von Leidenschaften, die sich in dem Ge-sichte durch die häßlichsten Verzerrungen äusscrn, und den gan-zen Körper in so gewaltsame Stellungen setzen, daß alle dieschönen Linien, die ihn in einem ruhigern Stande umschreiben,verloren gehen. Dieser enthielten sich also die alten Künstlerentweder ganz und gar, oder setzten sie auf geringere Gradeherunter, in welchen sie eines Maasscs von Schönheit sähig sind.
Wuth und Verzweiflung schändete keines von ihren Wer-ken. Zch darf behaupten, daß sie nie eine Furie gebildet habend
/,) Man gebe allc die Kunstwerke durch, deren Plinius und Pausaniasund andere gedenken: man übersehe die noch itzt vorhandenen alten StatuenBasreliefs , Gemählde: und mau wird nirgends eine Furie finde». Ich ncbmcdiejenigen Figuren aus, die mehr zur Bildersprache, als zur Kunst gehören,dergleichen die auf den Münzen vornehmlich find. Indeß hätte Spence, dacr Furie» haben mußte, sie doch lieber von den Münzen erborge» sollen,(Leßiiini Knmif. p. 178. Spünllem, ,Iv ?r^5>. ?>umism. Ilisserl. XIIl> p. 639.I.ox cvtsrs lie 5»Uo», N!>r 8,,!lniimm I>, 48.) als das; er sie durch eine»witzige» Einfall in ein Werk bringen will, in welchen, sie ganz gewiß nichtfind. Nr sagt in seinem Polvmctis (l>i»>. XVI. i>.272.) „Obschon die Fu-„rieu in dc» Werke» der alte» Künstler etwas sehr seltenes sind, so findet sich„doch eine Geschichte, in der sie durchgängig von ihnen angebracht werden.„Ich meine dc» Tod des Mcleagcr, als i» dcsse» Vorstellung auf Basreliefs„sie öftcrs die Althäa aufmuutcr» mid aulreibcii, de» unglücklichen Brand,„von welchem das Lebe» ihres einzigen Sohnes abhing, dem Feuer zu über-leben. Nenn auch cin Weib würde in ilirer Rache so weit nicht gegangen„sehn, hatte der Teufel nicht ein wenig zugrschürct. In einem von diesen„Basreliefs, bcv dem Bcllori (in den L,>U»irsnui!j) sieht man zwey Weiber,„die mit der Althäa am Altare stchc», nnd allcm Anschcn »ach Furien scvn„sollen. Den» wer sonst als Furien, hätte einer solchen Handlung bcvwoh-„ncn wollen? Daß sie für diesen Charakter nicht schrecklich gcnng sind, liegt„ohne Zweifel an der Abzeichnung. Das Merkwürdigste aber auf diesem Werke„ist die runde Scheibe, unten gegen die Mitte, auf welcher sich offenbar der„Kopf einer Furie zeiget. Vielleicht war es die Furie, an die Althäa , so„oft sie eine üble That vornahm, ihr Gebet richtete, und vornehmlich itzt zu„richten, allc Ursache hatte !c." — Durch solche Wendungen kann manans allem alles machen. Wer sonst, fragt Spence, als Furie», hätte einersolchen Handlung bcvwvhiicn wolle»? Zch antworte: Die Mägde der Althäa ,