lieber die Greife» der Mahlerey und Poesie. 446
wägung der weiter» Sphäre der Poesie, ans dem unendlichenFelde unscrcr Einbildungskraft, aus der Gcistigkcit ihrer Bilder,die in größter Menge und Mannigfaltigkeit neben einander stehenkönnen, ohne daß eines das andere deckt oder schändet, wie eswohl die Dinge selbst, oder die natürlichen Zeichen derselben inden engen Schranken des Raumes oder der Zeit thun würden.
Wenn aber das Kleinere das Grössere nicht fassen kann, sokann das Kleinere in dem Größer» enthalten seyn. Ich willsage»; wen» nicht jeder Zug, den der wählende Dichter braucht,eben die gute Wirkung auf der Fläche oder in dem Marmorhaben kann: so möchte vielleicht jeder Zug, dessen sich der Ar-tist bedienet, in dem Werke des Dichters von eben so guter Wir,kung seyn können? Ohnstrcitig; den» was wir in einem Kunst-werke schön finden, das findet nicht unser Auge, sondern unsereEinbildungskraft, durch das Auge, schön. Das nehmliche Bildmag also in unserer Einbildungskraft durch willkührlichc odernatürliche Zeichen wieder erregt werden, so muß auch jederzeitdas nehmliche Wohlgefallen, ob schon nicht in dem nehmlichenGrade, wieder entstehen.
Dieses aber eingestanden, muß ich bekennen, daß mir dieVoraussetzung, Virgil habe die Künstler nachgeahmet, weit un-begreiflicher wird, als mir das Widerspicl derselben gewordenist. Wenn die Künstler dem Dichter gefolgt sind, so kann ichmir von allen ihren Abweichungen Ncdc und Antwort geben.Sie mußten abweichen, weil die nehmlichen Züge des Dichtersin ihrem Werke Unbequemlichkeiten verursacht haben würden, diesich bey ihm nicht äußern. Aber warum mußte der Dichterabweichen? Wann er der Gruppe in alle» und jeden Stückentreulich nachgegangen wäre, würde er uns nicht immer nochein vortreffliches Gemählde geliefert haben? ^ Ich bcgrciffc wohl,
S) Ich kann mich desfalls auf nichts entscheidenderes brruffcn, als aufdas Erdichte des Sadolct. Es ist eines alten Dichters würdig, und da essehr wohl die Stelle eines Kupfers vertreten kann, so glaube ich es hier ganzeinnicken zu dürffcn.
7. ^ v e « o > r i s «D^rvL,izcovi s>oor,L'ri exumL«.TZece Kilo lerr»: e cumulo, inßen>i»que ruini«Vilc«?ri>>ll», ilerum reilucem longiniiuii reiluxit