Druckschrift 
6 (1839)
Entstehung
Seite
414
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4,4

Laotoon.

begnügend Ich fürchte scbr, der vollkommenste Mcistcr in Gewän-der», zeigt durch diese Geschicklichkcit selbst, woran es ihm fehlt.

VI.

Meine Voraussetzung, daß die Künstler dem Dichter nach-geahmet haben, gereicht ihnen nicht zur Verkleinerung. ZhreWeisheit erscheinet vielmehr durch diese Nachahmung in demschönsten Lichte. Sie folgte» dem Dichter, ohne sich in dergeringsten Kleinigkeit vo» ihm verführe» zu lassen. Sie hattenein Vorbild, aber da sie dieses Vorbild aus einer Kunst in dieandere hinüber tragen mußte», so fanden sie genug Gelegen-heit selbst zu denken. Und diese ihre eigene Gedanken, welchesich in den Abweichungen von ihrem Vorbilde zeigen, beweisen,daß sie in ihrer Kunst eben so groß gewesen sind, als er inder scinigcn.

Nun will ich die Voraussetzung umkehren: der Dichter sollden Künstlern nachgeahmet haben. Es giebt Gelehrte, die dieseVoraussetzung als eine Wahrheit behaupten.» Daß sie histori-sche Gründe dazu haben könnte», wüßte ich nicht. Aber, dasie das Kunstwerk so überschwenglich schön fanden, so konntensie sich nicht bereden, daß es aus so später Zeit seyn sollte.Es mußte aus der Zeit seyn, da die Kunst in ihrer vollkom-mensten Blüthe war, weil es daraus zu seyn verdiente.

Es hat sich gezeigt, daß, so vortrefflich das Gemählde desVirgils ist, die Künstler dennoch verschiedene Züge desselben nichtbrauchen können. Der Satz leidet also seine Einschränkung,daß eine gute poetische Schilderung auch ein gutes wirklichesGemählde geben müsse, und daß der Dichter nur in so weitgut geschildert habe, als ihm der Artist in allen Zügen folgenkönne. Man ist geneigt diese Einschränkung zu vermuthen,noch ehe man sie durch Beyspiele erhärtet sieht; blos aus Er-

a) Maffci, Richardson, und »och neuerlich der Herr von Hagedorn.(Betrachtungen über die Mahlerey S. 37. lUci>»r>li»n, ^r»ilv 0e la ?ein-lurs rom« in. i>- 5l3.) Dc Foulaincs verdient es wohl nicht, daß ich ihndiesen Männern bevfüge. Er hält zwar, in den Anmerkungen zu seiner Ucbcr-sctzung des Birgils gleichfalls dafür, daß der Dichter die Gruppe in Augengcl'abt l'abe, er ist aber so unwissend, daß er sie für ein Werk des Pl'idiasausgicbt.